Bauhaus-Universität Weimar

Experimental-Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 
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zu besprechenden Versuchen war nun diese durch die Instruktion 
von vornherein festgelegt. Es fragt sich nun, wie wirkt das 
Tempo auf die so völlig bestimmten Gruppen. Es ist natürlich, 
dafs das Tempo nicht immer zur Gruppe pafste, d. h. dafs die 
betreffende Versuchsperson ohne andere Aufforderung bei dem 
entsprechenden Tempo auch immer die betreffende Gruppe ge¬ 
bildet hätte, da ja das Tempo möglichst konstant gehalten, die 
Gröfse dagegen in sehr weiten Grenzen variiert wurde. Aufser 
solchen Fällen also, in denen Tempo und Gruppengröfse zu¬ 
einander paisten, inufsten auch Fälle Vorkommen, in denen dies 
nicht zutraf. Es kam nun sehr häufig vor, dafs die durch die 
Instruktion gegebene Determination so stark war, dafs der Ein- 
flufs des Tempo nicht dagegen in Betracht kam. 
So läfst sich bei Fräulein G., Mr. S., Herrn L., Herrn M. und Dr. B 
kein solcher Einflurs feststellen. Anders ist es bei den beiden übrig bleiben¬ 
den Versuchspersonen Herrn He. und Fräulein K. Herr He. liefert uns 
zwei Angaben. Mit der zweiten Geschwindigkeit hatte er schon eine Reihe 
von Gruppen gebildet, darunter auch Achtgruppen, als letzte Siebengruppen. 
Dann forderte ich ihn auf, Zehngruppen zu bilden. Dies ging, „aber“, sagte 
er, „man würde lieber bis acht gehen, acht würde ganz leicht sein. Mau 
bleibt in der Achteinteilung, die neun und zehn gibt man als Zugabe hinter- 
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her: 123456789 10.“ Hier wird also die geforderte Gruppe als zu 
grofs, eine andere als die richtige empfunden. Am Tage vorher hatte er 
mit Geschwindigkeit 4 sehr viel gröfsere Gruppen zustande gebracht. Die 
Nachwirkung der vorangehenden Achtgruppen auf den Versuch kann nicht 
allzugrofs sein, da ja ein Versuch mit Siebongruppen dazwischen kam, es 
ist die Erscheinung also nur so zu erklären, dafs das Tempo für diese 
Gruppe zu langsam war. 
Immerhin ist die Mitwirkung einer Perseveration nicht ausgeschlossen, 
doch hat sicher auch das Tempo mitgesprochen, wie dies aus dem folgen¬ 
den Versuche hervorgeht. Es sollten Neungruppen gebildet werden. Auch 
dieses ging, „kam aber ziemlich lang vor, man würde lieber bei 6 auf¬ 
hören.“ Die Neungruppe bestand aus 3 Dreigruppen, hier war also die 
Nachwirkung der Viergruppen jedenfalls erfolgreich durchbrochen, und 
dennoch wurde auch diese doch noch etwas kürzere und einfachere Gruppe 
schon als zu lang empfunden. 
Fräulein K.s Angaben bestätigen die eben angeführten durchaus. Wir 
haben schon bemerkt, dafs ihr beim ersten Versuche das Tempo 393 o für 
Zweigruppen zu schnell schien. Dies selbe Tempo entsprach aber durch¬ 
aus ihrem Viertakte. Hierbei schien es ihr durchaus der richtige Rhyth¬ 
mus im oben definierten Sinne zu sein. Als sie dann Achtgruppen bilden 
sollte, ging es wieder sehr schwer, „wreil ein anderer Rhythmus da war“. 
An blofse Perseveration der Viergruppen zu denken geht nicht an, da die 
Perseveration nicht so auf eine einzige Gruppe spezialisiert ist. Wie wir
        

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