Bauhaus-Universität Weimar

Experimental-Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 
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üie folgenden subjektiven Rhythmisierungen noch rein unwill¬ 
kürlich waren. Von Anfang an forderte ich bei den Versuchen 
mit der ersten Instruktion nie eine Versuchsperson auf, andere 
Gruppen zu bilden, als die, die sich ihr von selbst aufdrängten. 
Bei den Hauptversuchen verbot ich dies sogar ausdrücklich, 
wenn es doch geschehen war. Nur so ist es möglich, die ver¬ 
schiedenen in Betracht kommenden Faktoren streng zu sondern. 
Die Folge dieses Vorgehens war, dafs einige Versuchs¬ 
personen zunächt eine gewisse Schwierigkeit fanden, die In¬ 
struktion zu erfüllen. 
So sagte in den Vorversuchen Fräulein G.: „Der Eindruck ist dadurch 
gestört, dafs ich von vornherein auf eine bestimmte Gruppe eingestellt bin, 
während ich mich früher ganz passiv hingegeben habe.“ Bei Herrn L. 
und Herrn M. zeigte sich die Schwierigkeit darin, dafs sie beim ersten 
Versuche Zweigruppen nicht bilden konnten bei einem Tempo, — 480, 
resp. 465 « — bei dem sie unwillkürlich solche wiederholt gebildet hatten. 
Eine andere Schwierigkeit liegt in der Instruktion selber. 
Es kann nämlich sehr gut Vorkommen, besonders am Anfang 
der Versuche, wo die Versuchsperson noch unter dem Einflufs 
des Vorhergehenden steht, dafs die Reize sehr stark einen 
eigenen Rhythmus zu haben scheinen, der mit dem vor¬ 
geschriebenen nicht übereinstimmt, so dafs dann zwei entgegen¬ 
gesetzte Kräfte auf die Gruppenbildung wirken. 
Am deutlichsten wrar dies bei Fräulein Iv. der Fall. Beim ersten Ver¬ 
suche sollte sie bei dem Tempo 393 o Zweigruppen bilden, was sie sub¬ 
jektiv nie getan hatte. Sie gab dabei an: „Ich zählte 1 2 und hatte zu¬ 
nächst den Eindruck, als ob es ganz falsch -wäre, da ein anderer Rhythmus 
darin war. Zu diesem Gruppieren schien gar kein Grund vorzuliegen. . . . 
Ich hatte den deutlichen Eindruck, als ob es Dreitakt wäre.“ Tatsächlich 
hatte Versuchsperson bei dem benutzten Tempo unwillkürlich in Drei¬ 
gruppen rhythmisiert. Ähnlich war es bei Fräulein G., bei Scheibe 1 
Geschwindigkeit 2. Sie hatte schon drei Versuche gemacht, Zwei-, Drei- 
und Viergruppen, ohne dafs das Erlebnis des richtigen Rhythmus voll zur 
Entwicklung gekommen wäre. Beim vierten Versuche sollte sie Acht¬ 
gruppen bilden, was sie mit Hilfe von Zählen vergeblich versuchte. Darauf 
stellte sich von selbst eine steigende Viergruppe ein. Ähnliche Erschei¬ 
nungen werden wir in den nächsten Paragraphen zu besprechen haben, 
dort sind sie aber aus dem Einflufs des Tempo und der Beharrung zu 
erklären. 
Ist jedoch einmal der willkürliche Rhythmus statuiert, dann 
ist er dem unwillkürlichen sehr wesensverwandt. Nur noch eine 
Abweichung ist zu erwähnen, die aber auch nur eine graduelle
        

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