Bauhaus-Universität Weimar

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Kurt Koffka. 
Was auf motorischem Gebiete die Zahlen, auf akustischem Ge¬ 
biete die verschieden hohen Töne sind, das sind auf optischem 
verschiedene Raumpunkte. Ich habe daher diese Erscheinung 
hier dargestellt und nicht in dem später behandelten Abschnitt 
über Täuschungen, in dem sonst gerade das kleiner und grölser 
Erscheinen vorkommt. 
Der zweite Fall stammt von Fräulein G. 
Bei Tempo 1824 a gab sie an, es wäre ein 3teiliger Rhythmus mit 
Betonung auf dem letzten Gliede. Vorstellungsmäfsig seien 3 Töne da¬ 
gewesen, etwa d d fis. „Aufserdem noch ein ganz vages optisches 
Bild, als wenn beim Übergang vom zweiten zum dritten Ton 
irgend etwas in die Höhe ginge.“ Also auch hier visuelle Vor¬ 
stellungen verbunden mit andersartigen, diesmal akustischen. 
Der dritte Fall liegt in 2 Angaben von Fräulein K. 
Bei Tempo 395 a — vorausgegangen am selben Tage war nur ein 
Versuch mit 237 a — gab sie an: „Diesmal war es Rhythmus. Ich wufste 
t 
dies sofort und zählte gleichzeitig 12 3 4, sehr schnell. Nachher zählte ich 
nicht mehr, wufste aber doch noch, dafs es Rhythmus war. Hier w'ird 
es den Lichtern angesehen. Ich sehe, dafs immer 4 Licht¬ 
erscheinungen zusammengehören und dafs immer die vierte 
Lichterscheinung einen Akzent trägt, es ist nicht heller, 
aber nachdrücklicher ... darin liegt der Rhythmus.“ Beim nächsten 
t 
Versuch — Tempo 460 a — gab sie an : „Es war wieder rhythmisch, 12... 
Bald aufgehört zu zählen, da es nicht nötig ist. Das Zählen macht für den 
Eindruck gar keinen Unterschied, es ist blofs eine Gedächtnisstütze.“ 
Hier kann also die motorische Repräsentation ganz fehlen, 
der Rhythmus wird durch die optische Empfindung direkt aus¬ 
gelöst. In den folgenden Teilen der Arbeit werden wir noch 
häufig auf ähnliche Erscheinungen stofsen. 
Der optische Rhythmus steht also durchaus nicht etwa 
schlechter da als der akustische, d. h. abhängiger von phäno¬ 
menologischen Vorstellungen anderer Qualität. Leider finden 
sich nirgends spezifizierte Angaben hierüber. Aus den wieder¬ 
gegebenen Protokollen Boltons und Miners ist aber zu ersehen, 
dafs durchweg eine Repräsentation vorhanden war. Leider sind 
auch die Protokolle in diesem Punkt nicht immer sehr durch¬ 
sichtig. Meistens wurde wie bei uns gezählt, doch kam auch 
einmal als Hilfe eine rein optisch motorische Vorstellung, näm¬ 
lich die des schwingenden Pendels.
        

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