Bauhaus-Universität Weimar

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Eduard Sxevers. 
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Kämmerlein des eigenen Arbeitszimmers oder in der engsten und 
vertrauten Arbeitsgemeinschaft eines Laboratoriums mit hinläng¬ 
licher Sicherheit anstellen, vortragen und kontrollieren. Schon der 
Vortrag vor einem größeren Hörerkreis schädigt insofern das Ex- 
neriment, als man der Stimme andere Leistungen zumuten sie 
also auch unter veränderten Bedingungen arbeiten lassen muß als 
beim Versuch im engeren Raume. Und weiterhin, ira raschen Vor¬ 
trag der ein gewisses Stoffquantum in abgemessenem Zeitraum be¬ 
wältigen soll, geht der einzelne Versuch oft nur zu rasch am orer 
vorbei, als daß dieser, zumal bei der Fremdartigkeit vieler Dm? , 
die hier zur Sprache kommen müssen, imstande ware, sich ein hin¬ 
länglich sicheres eigenes Urteil zu bilden. Ja ich muß, nach zahl¬ 
losen Erfahrungen, die ich im Laufe meiner Arbeiten gemacht habe, 
als sicher voraussetzen, daß auch heute nur em Teil, vielleicht sogar 
nur eine Minderheit von den Anwesenden die klanglichen Gegen¬ 
sätze überhaupt wahrnehmen und erfassen werde, mit denen ich «8 
zu tun habe. Das läßt sich nicht beseitigen, denn es liegt in der 
Natur der Sache selbst, genauer gesagt in der allgemeinen psychi¬ 
schen Konstitution der Hörer, begründet. Nur solche Menschen, 
denen ein gewisser Mindestgrad von sog. motorischer Veranlagung 
eigen ist, vermögen die in Rede stehenden Gegensätze sofort und 
ohne alle Mühe aufzufassen, während alle diejenigen, die unter Aus¬ 
schluß dieses Mindestmaßes von motorischer Anlage wesentlich nur 
akustisch oder visuell veranlagt sind, zwar — und zwar experiments 
— nachweisbar beim Versuch unbewußt durchaus kor¬ 
rekt reagieren, aber nicht imstande sind, solche Selbst - 
reaktionen beisich, oder Fremdreaktionen bei andern 
bewußt wahrzunehmen, mögen diese letzteren nun Motoriker 
oder Nichtmotoriker sein. Und da bisher die' Nichtmotoriker wohl 
kaum in der Lage gewesen sind, sich in weiterem Umfang z. B. 
durch entsprechende graphische Aufnahmen von ihrer Selbstreaktion 
überzeugen zu lassen, also sehen zu lernen, daß sie trotz ihres nega¬ 
tiven Subjektivurteils tatsächlich in ihrem Verhalten mit den Motorikern 
Zusammengehen, so kann man sich natürlich nicht wundern, noch 
weniger es ihnen übel nehmen, wenn sie mit aller Entschiedenheit 
leugnen, was sie nun einmal nicht selbst wahrnehmen können, 
obwohl z. B. bei mündlicher Verhandlung der mitanwesende Moto¬ 
riker ganz gewöhnlich mit spielender Leichtigkeit in der eigenen 
Stimme der Leugner die Unterschiede bemerkt, deren Existenz jene 
ihm abstreiten. Damit ist ja freilich dann jede eigentliche Debatte
        

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