Bauhaus-Universität Weimar

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Eduard Siegers. 
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selbständige Signalkurve der sonst üblichen Art zu finden: mag man 
dazu schwingen, bogen, kreisen, schleifen, so treten stets Hemmungen 
auf, die erst verschwinden, wenn man die Signale (bei unserer vor¬ 
läufigen Probe also die beiden vorgestreckten Zeigefinger) in der zu¬ 
sammengesetzteren Form der Taktfüllkurve bewegt (bzw. — links 
in deren Spiegelbild, vgl. oben S. 79). Hier haben wir also einen 
Fall gebundener Signalkurve. 
Vergleicht man übrigens den Allgemeinklang der beiden 
Gedichte, denen die obenstehenden Proben entnommen sind, so dürfte 
es einleuchten, daß der des ersteren etwas der Alltags rede, der 
Prosa, Näherstehendes hat, das zweite etwas, das mehr an das Lied 
erinnert. Man darf also vielleicht hier, der Kürze halber, einfach 
von «redemäßiger» (oder besser von «sagmäßiger») und 
«liedmäßiger» Struktur oder von «sagmäßigen» und «lied¬ 
mäßigen» Versen sprechen. 
Die beiden gegebenen Probestücke waren hier normalstimmig, 
und wie hier geht in allen normalstimmigen Versen liedmäßiger 
Struktur die Signalkurve einfach mit der Taktfüllkurve zusammen: 
die 'Figur (Sigle F.: oben S. 77) der Füllkurve wird also einfach 
wiederholt. Anders bei umlegstimmigen Versen, denn hier 
macht sich wieder der Einfluß des Gegensatzes zwischen starrem 
und wirbelndem Umleger (oben S. 81) bemerkbar: der starre 
Umleger verändert die Taktfüllkurve nicht bei ihrer Verwendung als 
Signalkurve, wohl aber kehrt sie der wirbelnde Umleger in ihr 
Gegenteil um. Darum haben z, B. Zeilen wie Goethes 
Doch du ivarst mein Zeitvertreib, 
Goldne Phantasie 
mit starrem Umleger Füllkurve und Signalkurve in der identischen 
Form von Fig. 85, aber die Zeilen 
Jeder meiner Freunde saß 
Froh hei seinem Herzchen 
mit wirbelndem Umleger zwar die aufsteigend beginnende Füllkurve 
Fig. 88, aber die «umgekehrte Figur» (Sigle uF.) Fig. 89 als 
Signalkurve.1 
1 Mail achte darauf, daß «umgekehrte Figur» hier nicht notwendig■ = 
«Spiegelbild» sein muß. Zwar gibt es natürlich auch dafür Beispiele wie 
Fig. 21 : 22, 31 :32; in anderen Fällen tritt aber z. B. an die Stelle der steigen¬ 
den Taktfiguren der Tabelle einfach die entsprechende fällende Taktfigur, so daß 
sich hier also z. B. Formen wie Fig. 33 und 34 oder Fig. 35 und 36 bei der 
Umlegung direkt entsprechen.
        

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