Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sirenen. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Akustik. Teil 3
Person:
Robel, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39802/20/
20 
Erfahrung zufolge jederzeit entweder fehlen oder nur ganz schwach vernommen werden können, 
scheint mir ein sehr starker Grund gegen die Annahme jener engeren Form zu liegen.“ 
Durch die erhaltenen Resultate noch nicht ganz befriedigt, unterzog Seebeck1) die Ton¬ 
erregung durch sehr getrennte Eindrücke einer weiteren theoretischen Untersuchung. Ausgehend 
2 2 j 
von der Annahme, dafs nicht nur die Gröfse y sehr klein, sondern dafs auch ^ für niedrigere 
Werte von i ziemlich klein sei, formte er die in (H) entwickelten Werte für C, und Di so um, dafs 
der Einflufs der Gröfse i schon für kleine i recht merklich hervortrat: mit anderen Worten, dafs 
aus dieser Umformung zulässige'Schlüsse über die Stärke der ersten harmonischen ßeitöne gezogen 
werden konnten. Seebeck fand, dafs bei hinreichend getrennten Eindrücken die Quadratsumme 
Cl2 -j- Di2, welche nach Ohm das Mafs für die Intensität des iten Tones der Reihe (F) ist, unter der 
gegebenen Voraussetzung entweder immer nahezu gleiche Werte hat, oder dafs sie mit i wächst, 
oder dafs sie überhaupt nur einen höchst geringen Wert hat. Nur für den letzten Fall wäre bei 
einem Zusammentreffen ganz besonderer Umstände die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dafs die 
Gröfse Ci2 -)- D,2 mit wachsendem i abnehmen könnte. Angewendet auf die Ohmsche Theorie, würde 
der Satz aber so lauten, dafs bei hinreichend getrennten Eindrücken entweder der erste, zweite, 
dritte . . . Ton nahezu gleich stark sein müfsten; oder dafs der erste schwächer als der zweite, der 
zweite schwächer als der dritte sein müfste; oder dafs diese ersten Töne überhaupt nur äufserst 
schwach sein könnten. „Ganz das Gegenteil hiervon beweist die Erfahrung“, fährt Seebeck fort, 
„denn nicht nur ist an den Sirenen, in Fällen, wo die vorhergehende Rechnung auf den zweiten, 
und selbst auf den dritten Ton mit hinreichender Annäherung anwendbar zu sein scheint, das Ver¬ 
halten ganz ebenso wie bei wenig oder gar nicht getrennten Eindrücken, sondern es gilt dasselbe 
auch bei den Savartschen Zahnrädern, bei den Klirrtönen, beim Trevelyan-Instrument u. dergl., wo 
höchst wahrscheinlich die Eindrücke noch getrennter sind. In allen diesen Fällen ist von allen 
ßeobachtern nur der „eine“ Ton gehört worden, welcher der Anzahl der Schläge entspricht, 
und von den Beitönen, welche nach der engeren Definition hier stets in beträchtlicher Stärke hätten 
vorhanden sein müssen, kann nur zuweilen eine Spur bemerkt werden. Auf diese Weise steht der 
engeren Definition des Tones eine gröfse Anzahl von Erfahrungen entgegen.“ 
Zum Schlüsse kommt Seebeck noch einmal auf die Ohmsche Hypothese zu sprechen, wo¬ 
nach das Ohr die Beitöne nur überhöre und zum Grundtone ziehe. Diese Annahme würde jetzt so 
auszudrücken sein, dafs Töne, wenn auch in beträchtlicher Stärke vorhanden, stets als solche ganz 
oder fast ganz unhörbar würden, sobald ein Ton ihrer harmonischen Unterreihe hinzuträte; dafs sie 
aber zur Verstärkung dieses Untertones beitrügen. Abgesehen davon, dafs diese Annahme der Er¬ 
fahrung zu widersprechen scheine, würde jetzt zwischen dem Seebeckschen und dem Ohmschen Er¬ 
klärungsversuche nur der Unterschied bestehen, dafs das Verschwinden der höheren Töne als solche 
und ihr Anteil an der Erzeugung des Grundtones nach des ersteren Ansicht an' gewisse, wenn auch 
unvollständig bekannte Bedingungen geknüpft sei, während es nach des letzteren Meinung unbedingt 
stattfinden müsse. Dieses würde schliefslich darauf hinauslaufen, dafs die weitere Definition des Tones 
noch zu eng sei. „So würde man also durch jene Hypothese, mit der Absicht, die Definition des 
Tones zu beschränken, vielmehr zu einer noch gröfseren, und gevvifs zu grofsen Erweiterung der¬ 
selben gelangt sein.“ 
*) Pogg. Anu. LXIII, p. 375—380.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.