Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sirenen. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Akustik. Teil 1
Person:
Robel, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39800/29/
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lassen. Mittelst eines an der Achse der Stange angebrachten Zählers läfst sich die Zahl der Um¬ 
drehungen der Stange leicht bestimmen. Weil jeder halben Umdrehung des Rades ein Schlag 
entspricht, deshalb ist die Zahl der Schläge doppelt so grofs als die Anzahl der Umdrehungen. 
Bei den mit diesem Apparate angesteliten Versuchen hörte Savart zuerst einen anhaltenden, 
ungemein tiefen und anfangs sehr schwachen Ton, dem er 8 Stöfse in dei Sekunde zuschrieb. 
Bei schnellerer Aufeinanderfolge der Schläge wurde der Ton außerordentlich stark, war aber 
immer durch einen schnarrenden Klang charakterisiert, der von den einzelnen, immei noch wähl 
nehmbaren Schlägen lierrülirte. Mehr als 25 bis 30 Umläufe in der Sekunde konnten nicht ei- 
zielt werden. Was nun die von Savart für den tiefsten hörbaren Ton gefundene Schwingungs¬ 
zahl anbetrifft, so zog schon Despretz1), der die Savartschen Versuche wiederholte, die Richtigkeit 
dieser Angabe in Zweifel. Und Helmholtz2) wies nach, dafs der von Savart angewendete Apparat 
zu diesem Zwecke ganz unbrauchbar sei, und dafs starke Obertöne für den Grundton angesehen 
worden seien. Die Frage nach der absoluten Schwingungszahl des tiefsten Tones ist noch nicht 
endgültig entschieden3). 
Am Ende meiner Betrachtungen der Leistungen Savarts auf diesem Gebiete angelangt, 
möchte ich schließlich noch eines Vorschlages Erwähnung thun, der von diesem Physiker aus¬ 
gegangen ist, um eine Frage der praktischen Mechanik auf einfache Weise zu lösen4)- Befestigt 
man nämlich an der Achse rotierender Maschinenteile ein Zahnrad, gegen dessen Zähne man ent¬ 
weder einen Luftstrom treibt oder ein elastisches Plättchen schlagen läfst, so kann man aus der 
unveränderlichen Höhe des erzeugten Tones die Zahl der Umdrehungen leicht bestimmen und auf 
die Gleichförmigkeit der Rotation schliefsen. 
Savart war, gleich Cagniard de la Tour, ein Experimentalphysiker ersten Ranges, wie es 
Fétis in seiner Biographie universelle des musiciens5) kurz und treffend ausgesprochen hat. Soweit 
die Sirenen in Betracht kommen, hat er das Verdienst, die Konstruktion dieser Apparate vervoll¬ 
kommnet und durch seine Arbeiten die Blicke der Physiker überhaupt auf dieselben gelenkt zu 
haben. Und wenn auch die Ergebnisse seiner Untersuchungen auf dem Gebiete der physiologischen 
Akustik sich unter der Kritik nachfolgender Forscher nicht als recht stichhaltig erwiesen haben, 
so haben wenigstens seine Arbeiten selbst den Anstofs zur Kultivierung eines neuen Gebietes der 
Akustik gegeben. 
Hiermit schliefse ich den ersten Teil meiner geschichtlichen Skizze. Im zweiten Teile 
sollen zunächst die Erfindung und Vervollkommnung der vielstimmigen Lochsirene durch deutsche 
Physiker, sowie die damit eng zusammenhängenden, theoretischen Arbeiten von G. S. Ohm, die 
den wichtigsten auf dem ganzen Gebiete der physikalischen Akustik zugezählt werden müssen, 
besprochen werden, um dann die Entwickelung der Sirenen bis zum Jahre 1890 zu verfolgen, 
eine Periode, in welcher besonders die Namen von Helmholtz und Koenig glänzend hervortreten. 
1) c. Despretz, Observations sur la limite des sons graves et aigus. (Comptes Rendus. XX. (1S45|, 
p. 1214—1220; Pogg. Ann. LXV. p. 440—450; efr. Dove, Repert. d. Physik. VIII. Akustik, p. 100—102.) 
2) H. Helmholtz, Die Lehre von den Tonempfindungen. 2. Ausg. p. 266. (Braunschweig, 1865.) 
3) Weiteres über die einschlägigen Untersuchungen findet man in der Schrift von W. Prever, Uber die 
Grenzen der Tonwahrnehmung. 1. Die tiefsten Töne. p. 1-17. (Jena, 1876.) Ferner: Gretschel u. Wunder, 
Jahrbuch der Erfindungen XVI. (1880.) p. 105—111. 
4) Ann. de chim. et de phys. XLIV. p. 352; Pogg. Ann. XX. p. 303. 
5) Tome VII. p. 409.
        

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