Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sirenen. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Akustik. Teil 1
Person:
Robel, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39800/25/
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Amplitude der Schwingungen außerordentlich klein, mithin die Intensität des erzeugten Tones 
sehr gering war. Dieser Umstand veranlafste nun Savart, zu diesem Zwecke rotierende Zahnräder 
zu verwenden, deren Zähne gegen ein Kartenblatt oder ein keilförmig zugeschnittenes Blättchen 
von leichtem Holze schlugen, weil man auf diese Weise einesteils die Schärfe der gegen die um¬ 
gebende Luft ausgeübten Stöfse nach Belieben erhöhen, andernteils aber auch die Zahl der Schläge 
resp. die Schwingungszahl des Tones mit grofser Genauigkeit bestimmen konnte. Die Tonhöhe 
änderte sich, wie sich Savart überzeugte, proportional der Rotationsgeschwindigkeit des Rades, 
und die Zahl der hierbei erfolgenden Schläge war gleich der Anzahl der Doppelschwingungen einer 
im Einklang mittönenden Saite. Je größer der Durchmesser des Rades hei gleicher Anzahl von 
Zähnen gewählt wurde, desto größer war die Intensität des erzeugten Tones. Savart1) stellte 
seine Versuche mit 3 aus Messing gefertigten Zahnrädern an: das erste hatte bei 24 cm Durch¬ 
messer 360 Zähne, das zweite bei 48 cm Durchmesser 400 Zähne, das dritte bei 82 cm Durch¬ 
messer 720 Zähne. Die mit dem ersten Zahnrade erzeugten Töne w'aren sehr rein, sobald ihre 
Schwingungszahl unter 4000 blieb; aber über diese Grenze hinaus wurde der Ton schwach und 
verlor bedeutend an Reinheit. Bei Versuchen mit dem zweiten Rade wurden reine Töne bis zu 
10 000 Schlägen in der Sekunde hervorgebracht; beim Überschreiten dieser Grenze verlor der Ton 
erheblich an Stärke, und bei 12 000 bis 18 000 Schlägen in der Sekunde wurde der Ton nicht 
mehr wahrgenommen. Die Versuche mit dem dritten Zahnrade lieferten wahrnehmbare Töne, 
selbst wenn ihre Schwingungszahl auf 24 000 stieg. Savart machte dazu folgende Bemerkung: 
„Obgleich die Stärke des Tones, die bei 12 000 bis 15 000 Schlägen in der Sekunde sehr groß 
war, alsdann anfing bedeutend abzunehmen, so kann ich doch nicht sagen, bei welchem Punkte 
der Ton vollständig unwahrnehmbar geworden wäre, weil das Rad, mittelst dessen ich das ge¬ 
zähnte Rad in Bewegung setzte, nicht groß genug war, um die Umdrehungsgeschwindigkeit noch 
mehr zu erhöhen.“ Da von einer weiteren Fortsetzung der Versuche nach der eigenen Angabe 
von Savart wegen der Kostspieligkeit der dazu erforderlichen Zahnräder Abstand genommen werden 
mußte, so ist eine vollständig befriedigende Lösung des Problems nach dieser Seite hin von Savart 
nicht gegeben worden2). 
Gelegentlich der eben erwähnten Versuche bot der durch Zahnräder erzeugte Ton ein 
bequemes Mittel dar, die Zahl der Umläufe des dritten Rades zu ermitteln. So lange die Ge¬ 
schwindigkeit dieses Zahnrades noch keine übermäßig große war, konnte Savart mit Hülle eines 
an der Achse angebrachten Zählwerkes, wie es schon Cagniard de la Tour benutzt hatte, die 
Zahl der Umläufe, und folglich auch die Schwingungszahl des erzeugten Tones bequem ermitteln. 
Bei großer Umdrehungsgeschwindigkeit gestattete aber dieses Mittel keine leichte Anwendung mehr, 
und Savart zog es deshalb vor, die Zahl der Umläufe durch den Ton eines zweiten Zahnrades zu 
bestimmen, welches einen erheblich kleineren Durchmesser befaß und eine dreißig- bis vierzig¬ 
mal kleinere Anzahl von Zähnen, als das große Rad, auf seiner Peripherie trug. Da der Ton 
1) Die nähere Anordnung der Versuche hat Savart nicht beschrieben; wie sie meistens angestellt werden, 
zeigt eine Abbildung und nähere Beschreibung in Müller-Pouillet, Lehrbuch der Physik und Meteorologie; 8. Aull. 
Bd. I. p. 466—467. 
2) Über den weiteren Verlauf der auf diese Frage bezüglichen Untersuchungen von Despretz^Preyer 
und Appuun vergl. man die Schrift von W. Preyer, „Über die Grenzen der lunwahruehinung1 . (Jena, 18/6). II. 
Die höchsten Töne. p. 18—25. 
LiiisenBtftdtischeß Real-G. 189t. ^
        

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