Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Sirenen. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Akustik. Teil 1
Person:
Robel, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39800/16/
16 
Weber zu Halle seine Doktor-Dissertation: Leges oscillationis oriundae, si duo corpora diversa 
celeritate oscillantia ita conjunguntur, ut oscillare non possint nisi simul et synchroniee, exemplo 
illustratae tuborum linguatorum; und bald darauf liefs er in Poggendorffs Annalen, Band XIV, 
XVI und XVII mehrere daran sich anschliefsende Abhandlungen erscheinen, Arbeiten, welche als 
das Fundament angesehen werden müssen, auf welchem die Theorie der Zungenpfeifen von den 
nachfolgenden Physikern aufgebaut worden ist. 
Seit der Veröffentlichung seiner ersten Abhandlungen über die Sirene ist nun Cagniard de la 
Tour drei Dezennien lang fast ununterbrochen bemüht gewesen, seinen Apparat zu verändern und zu 
verbessern, um die Akustik noch in anderen Beziehungen zu fördern. Da aber seine darauf bezüg¬ 
lichen Vorträge und Abhandlungen nicht alle durch den Druck veröffentlicht worden sind, so wird es 
dem Historiker recht schwer gemacht, die Thätigkeit des rastlosen Forschers in stetigem Zusammen¬ 
hänge zu verfolgen. Von seinen bis zum Jahre 1833 reichenden Arbeiten finden sich einzelne aus¬ 
zugsweise wiedergegeben in einigen Pariser philosophisch-litterarischen Wochenschriften, wie Le 
Globe, Le Lycée, deren Beschaffung mir unmöglich gewesen ist, von anderen finden sich kurze 
Notizen in den Annales de chimie et de physique. Erst seit der im Jahre 1833 erfolgten Grün¬ 
dung der wissenschaftlichen Zeitschrift „L’Institut. Journal général des Sociétés et Travaux scienti¬ 
fiques de la France et de l’Étranger“; seit dem Beginn der Veröffentlichung der Comptes rendus 
hebdomadaires des séances de l’Âcadémie des Sciences à Paris im Jahre 1835; und seit der Zeit, 
wo die Referate über diejenigen Vorträge, welche Cagniard de la Tour in den Sitzungen der Société 
Philomatique de Paris gehalten hatte, in den Extraits des procès-verbaux des séances erschienen; 
— von da an ist man erst im stände, die Untersuchungen dieses unermüdlichen Physikers un¬ 
unterbrochen zu verfolgen. Von einer ausführlichen Wiedergabe dieser interessanten Arbeiten kann 
aus leicht erklärlichen Gründen hier nicht die Rede sein; ich werde mich deshalb darauf be¬ 
schränken, nach Erwähnung einiger besonderer Versuche, die er mit seiner ersten Sirene, der 
„sirène ordinaire“, angestellt hat, diejenigen speziellen Sirenenformen zu berühren, welche Cagniard 
de la Tour für seine Experimente über den Klang konstruiert hat. 
Von seinen Untersuchungen mit der „sirène ordinaire“ möchte ich zunächst diejenigen er¬ 
wähnen, welche sich auf den Nachweis der verschiedenen Empfindlichkeit des Ohres für Töne von ver¬ 
schiedener Höhe beziehen 1). Die mit hundert Öffnungen versehene bewegliche Scheibe wurde durch 
eine um ihre Achse gewickelte und mit grofser Geschwindigkeit abgezogene Schnur in schnelle 
Drehung versetzt. Die Intensität des Tones nahm zuerst mit der Höhe bis zu einer gewissen Grenze 
zu, dann aber mit weiter wachsender Höhe wieder ab. Ein Ton mit der Schvvingungszahl 8000 wai 
noch deutlich wahrnehmbar; stieg aber seine Schwingungszahl auf 10000, dann wurde er aufserordent- 
lich schwach, selbst wenn der in den Windkasten eintretende Luftstrom bedeutend verstärkt wurde. 
Ferner hat Cagniard de la Tour mit seiner Sirene den ersten Versuch gemacht2), die 
Höhe der Töne zu ermitteln, welche Insekten während des I liegens hören lassen : er fand die 
Schwingungszahl des Tones, den eine summende Mücke hören läfst, gleich 500 bis 600. 
Dann untersuchte er den Ton3), den eine Sirene durch die blofse Rotationsbewegung ihrer 
1) Diese Versuche sind von Cagniard de la Tour bereits 182" bekannt gemacht worden; beschrieben 
sind sie aber erst in den Extraits des procès-verbaux de la Soc. Philom. 1838. p. 75—76. 
2) Extraits des procès-verbaux de la Soc. Philom. 1838. p. 140. 
3) Soc. Philom. Extraits etc. 1839. p. 6—7.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.