Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Wesen der Kunst. Grundzüge einer realistischen Kunstlehre. Erster Band
Person:
Lange, Konrad
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39789/419/
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bewusst, und unbewusst relativ sind, ist auch die Grenze zwischen 
künstlerischem Schaffen und Delirium, Genie und Irrsinn in Wirk¬ 
lichkeit schwankend. Gerade eine so starke Inanspruchnahme des 
Nervensystems wie sie das künstlerische Schaffen verlangt, führt 
leicht zu einer Überreizung und hat dann psychopathische Er¬ 
scheinungen zur Folge, die den weniger Eingeweihten zu der 
Annahme verführen können, Genie und Irrsinn seien annähernd 
dasselbe. Theoretisch ist die Grenze aber sehr wohl zu ziehen. 
Sie liegt da, wo die Selbsttäuschung auf hört eine bewusste zu sein 
und anfängt eine unbewusste, d. h. eine wirkliche Täuschung zu 
werden. In den meisten Fällen wird man diesen Punkt genau 
fixieren können. Nur eine nervös degenerierte Zeit konnte auf den 
Gedanken verfallen, dass psychopathische und ästhetische Zustände 
prinzipiell identisch seien, dass man im Genie nur eine besondere 
Form von Irrsinn oder geistiger Anomalie zu erkennen habe.
        

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