Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Wesen der Kunst. Grundzüge einer realistischen Kunstlehre. Erster Band
Person:
Lange, Konrad
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39789/21/
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Gymnasien und höheren Mädchenschulen leider immer noch auf¬ 
gehäuften Schutt gilt es hinwegzuräumen, damit das Feuer Platz 
und Luft zu brennen habe. Nicht positive, sondern negative 
Arbeit muss verrichtet werden. Alles übrige besorgt die angeborene 
Kunstbegabung. 
Am liebsten wären mir wie gesagt Leser, die noch kein 
ästhetisches Buch in der Hand gehabt haben, auf keine der herr¬ 
schenden Theorien eingeschworen sind. Sie würden mir am 
unbefangensten folgen und am ersten imstande sein, meine Lehre 
zu würdigen, [die, wenn auch nicht ganz ohne Vorgänger in der 
neueren Ästhetik, doch wie schon angedeutet, weit verbreiteten 
und tief eingewurzelten Vorurteilen entgegentritt. 
Dagegen möchte ich den Lesern dieses Buches eine möglichst 
umfassende Anschauung von bildender Kunst wünschen. Diese 
selbst zu bieten, d. h. dem Buche Illustrationen beizugeben, schien 
mir nicht am Platze, da wir seit einigen Jahren mehrere hervor¬ 
ragende Anschauungswerke haben, die zu billigem Preise eine 
Fülle von Abbildungen aus den Gebieten der Malerei, Plastik und 
Architektur enthalten. Spemanns Museum und Baukunst, Bruck¬ 
manns klassischer Bilderschatz und klassischer Skulpturenschatz, 
Seemanns Kunstgeschichte in Bildern, Hirths Formenschatz und 
Stil, Knackfuss’ Künstlermonographien bieten ein überreiches 
Material zur Illustrierung der hier ausgeführten Gedanken, dessen 
fortwährende Vergleichung sich während der Lektüre empfiehlt. 
Das „Wesen der Kunst“ ist geradezu als Ergänzung dieser Publi¬ 
kationen gedacht. Ihre weite Verbreitung hat mich der Pflicht 
enthoben, ein „Bilderbuch“ zu schreiben, den vielen illustrierten 
Werken über Kunst noch ein weiteres hinzuzufügen. Das ist auch 
kein Schade. Bildliche Anschauung ist ja etwas Schönes. Allein man 
. kann auch das beste Prinzip übertreiben. Wir sind in den letzten 
Jahren, wie ich glaube, mit Anschauung übersättigt worden. Was 
uns not thut, ist eine ästhetische Durcharbeitung dieses enormen 
Materials, eine Zusammenfassung des Einzelnen unter allgemeinen 
Gesichtspunkten, eine Entwickelung der künstlerischen Prinzipien 
auf logischer und psychologischer Grundlage. 
Gegenwärtig ist es allein die Kunstgeschichte, die die Kosten 
der zusammenfassenden Kunstunterweisung trägt. Die Zahl der 
kunsthistorischen Monographien und Handbücher, die in den letzten 
Jahren erschienen sind, ist enorm. Es mehren sich aber die An¬ 
zeichen dafür, dass die einseitig - historische Richtung der Kunst-
        

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