Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Prüflaboratorium für Berufseignung bei dem Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen
Person:
Schreiber, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39786/1/
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Schreiber; Das Prüf Laboratorium für Berufseignung bä den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Zeitschrift des Vereines 
_ deutscher Ingenieure. 
Afeh. 8. 
Freifall Sieherheitsbremse nach dein Einfallen. 
Die Bremse samt 
Hängegewicht ist in 
Abb. 8 dargestellt. 
Sie umfaßt den über 
Flur stellenden 
Dämpfzylii i der, da s 
Hängewerk und das 
PI attenge wicht, aus 
dem der Oelpuffer er¬ 
kennbar he rvorragt. 
Bremshebel und Füll¬ 
gewicht sind nicht 
starr verbunden, wie 
die Zwischenfeder 
und der Schlitz in 
der Hängest an ge er¬ 
kennen lassen. Das 
fallende Gewicht hat 
v j el m e h r d i e Mög- 
lichkcit, auch nach¬ 
dem cs den Wider¬ 
stand der auftreffen¬ 
den Bremsbacken ge¬ 
funden hat, seinen 
Weg weiter fortzu- 
setzen und seine Fall¬ 
wucht mittels der be¬ 
schriebenen Däm pf - 
einrich hingen all¬ 
mählich und stetig 
auf die Bremsbacken 
zu übertragen. Nähe¬ 
res Eingehen auf die 
Einzelheiten, insbe¬ 
sondere auf die Mit¬ 
tel, mit denen das 
Einsetzen der Dämp¬ 
fung genau im ge- 
wollten Augenblick 
und im gewollten 
Maß erreicht wird, 
würde zu weit führen. Es sei auf die einschlägigen Veröffent¬ 
lichungen verwiesen1). Das Fallgewicht wird mittels Druek- 
b »Die Förderteehmk« 1916 Heft 14: J. Elink Schuurncan, »Die 
Freifalll-Sicberheitsbremse, System Brown, Boveri«. 
! luft angehoben, die, wie bereits erwähnt, durch einen vom 
Nothebel gesteuerten Hahn unter den Kolben des Dämpf - 
| Zylinders gelassen wird. Das am Kopf der Bremse sicht¬ 
bare Handrad dient zum Anheben des Gewichtes von Hand 
• und gibt die Möglichkeit, beim Versagen der Maschine die 
beladene Schale ohne Hilfe des Motors auf die Fördersohle 
abzulassen. 
Der zweispindlige Teufenzeiger hat auf seiner .Rückseite 
die von der jeweils aufsteigenden Wandermutter betätigte 
Rückstellvorrichtung für den Steuerhebel, die mit den be 
schriebencn Bremseinrichtungen die Maschine selbsttätig zur 
Ruhe bringt. Die Uehertreibauslösung der Sicherheitsbremse 
durch die aufsteigende Wandermutter ist bereits besprochen 
worden. 
Nicht unerwähnt bleibe, daß die gesamten Steuereinrich¬ 
tungen über Flur nicht auf Fundamentträgern sitzen, sondern 
auf einem besondern Trägerrahmen aufgebaut sind, der an 
dem Hauptrahmen der Maschine angesetzt wird. Dieser selb¬ 
ständige Hilfsrahmen sichert die gegenseitige Lage und das 
dauernde Zusammen spiel der Steuereinrichtung. Er gestattet 
! ferner, die Gesamteinrichtung der Steuerung samt den zu¬ 
gehörigen Gestängen bereits auf dem Versuchstand aufzu- 
bauen, einzustellen und zu erproben. 
Zusammenfassung. 
Der Drehstrom-Asynchronmotor ist bisher nur selten als 
Fördermotor größerer Leistung verwendet worden. Der 
hauptsächliche Grund dafür ist sein Mangel an Regelfähig¬ 
keit, der eine Gefahrenquelle für den Förderbetrieb bildet 
i und die wichtigste der vorbeugenden Sicher!)eitseinrichtun- 
1 gen, die selbsttätige Verzögerung der Maschine (Retardierung), 
ausschließt. Die beschriebenen Neuerungen haben den Zweck, 
den Mangel an Regelfähigkeit auszugleichen. Dies wird zu¬ 
nächst erreicht durch eine fein abgestufte Druckluft-Brems- 
; einrichtung, die durch Rückführung des Steuerhebels in die 
jeweilige Bremsauslage gesteuert wird. Diese ermöglicht die 
selbsttätige Stillsetzung der Maschine am Hubende in der 
gewohnten Art durch Einwirkung des Teufenzeigers auf den 
Steuerhebel. Eine weitere Neuerung bewirkt das selbsttätige 
Kurzschließen des Motorläufers bei Erreichung der zulässigen 
Drehzahl. Dadurch wird das Durchgehen der Maschine bei 
Einhängen von Last unmöglich. Die genannten Einrichtun¬ 
gen und die mit diesen ausgestattete Fördermaschine der 
• Gewerkschaft Bernsdorf der Heldburg A.-G., Hildesheim, wer- 
1 den beschrieben. 
Das Prüflaboratorium für Berufseignung bei den Königlich Sächsischen 
Staatseisenhahnen. ’) 
Von Finanz-Baurat Dr.-Ing. A. Schreiber in Dresden. 
Die Beobachtung der Vorgänge im Eisenbahnbetriebs¬ 
dienst und insbesondere die Verfolgung der Ursachen von 
Unfällen haben erkennen lassen, daß vielfach auch gut ein¬ 
gearbeitete Bedienstete, die unter gewöhnlichen Verhältnissen 
recht Befriedigendes leisten, bei plötzlich an sie herantreten¬ 
den besondern Anforderungen Mangel an Auffassungsfähig¬ 
keit, Entschlossenheit und Umsicht zeigen, daß ihre Spann¬ 
kraft leicht nachläßt oder ihr Gedächtnis sich als un¬ 
zuverlässig erweist, alles Erscheinungen, deren jede im 
Betrieb ernste, wenn nicht verhängnisvolle Folgen haben 
kann, und denen gegenüber auch die besten sicherheit- 
lichen Einrichtungen und Vorschriften wirkungslos bleiben 
können. 
Es ist daher von großer Bedeutung, die Einstellung der 
Anwärter namentlich für die sich erheblich besonders belang¬ 
reichen Dienste, unter denen die der Fahrdienstleiter und 
der Lokomotivführer in erster Linie stehen, nicht nur vom 
Nachweis guter Sachkenntnis und von guter Führung, son¬ 
dern namentlich auch davon abhängig zu machen, daß die 
erforderlichen Grundeigenschaften: rasche Auffassung, Ent¬ 
schlußfähigkeit, Ruhe, Ausdauer und gutes Gedächtnis, vor¬ 
handen sind. 
Um rechtzeitig zuverlässige Angaben in diesen Richtun¬ 
gen zu erhalten, hat die Sächsische Staatseisenbahnverwal- 
*) Sonderftbdriicke dieses Aufsatzes werden abgegeben. Der Preis 
wird mit der Veröffentlichung des Schlusses bekannt gemacht werden. 
tung auf Veranlassung und nach den näheren Angaben des 
Präsidenten der Generaldirektion, ©t\s3ng. e. h. Dr. Ulbricht, 
dem bekanntlich das Eisenbahnsicherungswesen schon sehr 
wertvolle Anregungen und Förderungen verdankt, ein Prüf- 
laboratorium für Berufseignung in räumlicher Angliederung 
an die Eisenbahnschule der Staatsbahnen in Dresden ein¬ 
gerichtet, in dem bereits seit Mai 1917, zuerst probeweise 
zur Feststellung der Prüfverfahren, dann seit Ende 1917 
endgültig, zahlreiche Untersuchungen vorgenommen worden 
sind. 
Die Prüfeinrichtungen stützen sich zu einem Teil auf 
bekannte Verfahren der experimentellen Psychologie und 
lehnen sich insoweit an das Vorbild der militärischen Prüf¬ 
laboratorien für Kraftfahrer und Flieger an; die Versuchs¬ 
anlagen sind jedoch, wie weiterhin gezeigt werden soll, in 
der Hauptsache durchaus eigenartig ausgebildet und den 
Verhältnissen des Eisenbahndienstes besonders angepaßt, 
wenn auch recht wrohl geeignet, in ähnlicher Weise auch 
für andere Zwecke verwendet zu werden. 
Die Ausgestaltung der Einrichtungen wurde durch 
Fühlungnahme mit dem leider inzwischen verstorbenen Pro¬ 
fessor Dr. Elsenhans von der Technischen Hochschule in 
Dresden, ferner mit Dr. Br ahn, Dozent an der Universität 
Leipzig, Dr. Piorkowski, Laboratoriumsleiter der Fahr¬ 
schule des Kraftfahrbataillons in Berlin-Schöneberg, und dem 
beim Kommando der Kraftfahr-Ersatzabteilungen tätigen 
Dr. Moede förderlich beinflußt. Mit der Durchführung der
        

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