Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/99/
Das Unbewusste im Instinct. 
95 
Schlaf ihrer Somnambulen machen. „Es kommt auch bisweilen 
vor, dass ganz gesunde Personen vor dem Gebären oder im ersten 
Anfänge ihrer Krankheit ein sicheres Vorgefühl ihres nahen Todes 
haben; die Erfüllung desselben kann man schwerlich für einen 
blossen Zufall erklären, denn sonst müsste sie ungleich seltener 
Vorkommen als die Nichterfüllung, was doch gerade umgekehrt 
sich verhält; auch zeigen manche dieser Personen weder Sehn¬ 
sucht nach dem Tode, noch Furcht vor demselben, und man kann 
ihn daher nicht für eine Wirkung der Phantasie erklären“ (Worte 
des berühmten Physiologen Burdach, aus dessen Werk: „Blicke 
nTs Leben“, Capitel Ahnung, woher ein grosser Theil der ein¬ 
schlagenden Beispiele entlehnt ist). Diese beim Menschen aus¬ 
nahmsweise eintretende Vorahnung des Todes ist bei Thieren, 
selbst bei solchen, die den Tod nicht kennen und verstehen, etwas 
ganz Gewöhnliches; sie verkriechen sich, wenn sie ihr Ende 
herannahen fühlen, an möglichst entlegene, einsame und ver¬ 
steckte Orte; dies ist z. B. der Grund, warum man selbst in 
Städten so selten den Leichnam oder das Gerippe einer Katze 
findet. Nur ist anzunehmen, dass das bei Mensch und Thier 
wesensgleiche unbewusste Hellsehen Ahnungen von verschiede¬ 
ner Deutlichkeit hervorruft, also z. B. die Katze bloss instinctiv 
treibt sich zu verkriechen, ohne dass sie weiss weshalb, im Men¬ 
schen aber das klare Bewusstsein seines nahen Todes erweckt. 
Aber nicht bloss vom eigenen Tode giebt es Ahnungen, sondern 
auch von dem theurer, dem Herzen nahe stehender Personen, wie 
die vielen Erzählungen beweisen, wo ein Sterbender in der To¬ 
desstunde seinem Freunde oder Gatten im Traume oder in einer 
Vision erschienen ist; Erzählungen, welche sich durch alle Völker 
und Zeiten hindurchziehen und theilweise unzweifelhaft wahre 
Facta einschliessen. Hieran schliesst sich die namentlich in 
Schottland früher und den dänischen Inseln jetzt noch vorkom¬ 
mende Fähigkeit des zweiten Gesichts, wo gewisse Personen 
ohne Ekstase bei voller Besinnung künftige oder entfernte Be¬ 
gebenheiten vorhersehen, die für sie Interesse haben, wie Todes¬ 
fälle, Schlachten, grosse Brände (Swedenborg den Brand von 
Stockholm), Ankunft oder Schicksale ferner Freunde u. s. w. 
(vgl. Ennemoser: Geschichte der Magie, 2. Aufl. §. 86). Bei 
manchen Personen beschränkt sich dieses Hellsehen nur auf 
Todesfälle ihrer Bekannten oder Ortsangehörigen; die Beispiele 
solcher Leichenseherinnen sind zahlreich und auf's Beste, zum
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.