Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/799/
4. Die identische Substanz beider Attribute. 795 
Dieser unbewusste Geist ist „das Ueberseiende, welches alles 
Seiende ist“. Freilich darf man dann nicht yon Hegel’s will¬ 
kürlicher Beschränkung des Wortes Geist auf dessen Erscheinung 
in der Form des Bewusstseins voreingenommen sein. 
Es wäre ein grosser Irrthum, wenn man das Verhältnis un¬ 
serer Substanz zu unseren Attributen so fassen wollte, als ob sie 
die Potenz der Attribute, und diese deren actus oder Thätigkei- 
ten wären. Ueber den Begriff der Potenz sind wir längst hinweg, 
denn die Potenz des Seins oder Wollens ist ja selbst das Eine 
der Attribute, und das Andere haben wir ausdrücklich als das 
rein Seiende bestimmt, welches aus keiner Potenz mehr hervor¬ 
gegangen ist. Zu keinem von beiden kann also die Substanz im 
Verhältnisse der Potenz stehen, und keines von beiden ist actus, 
welcher aus einer Potenz hervorginge Dies ist ein Hauptunter¬ 
schied von Spinoza, bei welchem ganz offenbar die Substanz als 
die Potenz der Attribute erscheint. Darin aber kann man mit 
Spinoza übereinstimmen, dass die Existenz erst in dem heraus¬ 
gesetzten (s^Lord/uevov oder s^eozatiévov) Modus zu finden ist, 
der Substanz als solcher sammt ihren Attributen aber nur die 
Subsistenz zukommt (was dem Herausgesetzten zu Grunde 
liegt, buhsistit). 
Der zweite Unterschied liegt in der Bestimmung des einen 
Attributes, welches Spinoza nach dem Vorgänge des Cartesius 
Ausdehnung nennt. Nun sind aber Denken und Ausdehnung 
gar keine Gegensätze, denn die Ausdehnung ist ja auch im 
Denken. Einen Gegensatz bilden nur Denken und reale Aus¬ 
dehnung, welche von Spinoza auch nur gemeint ist. Indessen 
zwischen den Begriffen Denken und reale Ausdehnung besteht 
der Gegensatz wiederum nicht zwischen „Denken“ und „Aus¬ 
dehnung“, sondern zwischen „Denken“ und „real“ oder „Idealem 
und Realem“; nicht die Ausdehnung macht die Realität, sondern 
sie selbst muss erst real gemacht werden, um mit dem Denken 
einen Gegensatz zu bilden. Das zweite Attribut Spinoza’s müsste 
also dasjenige sein, welches — und nun nicht bloss die Aus¬ 
dehnung, sondern auch alles übrige Ideale — real macht, 
dies ist aber nichts anderes, als der Wille. Dann erst, wenn 
man statt der Ausdehnung den Willen setzt, wird Spinoza’s Meta¬ 
physik zu dem, was sie sein sollte, dann aber fällt auch der 
Gipfel unserer Pyramide mit der von Spinoza mystisch postu- 
irten Einen Substanz zusammen.
        

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