Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/791/
3. Die Vorstellung oder Idee. 787 
Idee durch den Willen ausser sich (als Ueberseiendes) gesetzt. 
Dies ist der radicale Unterschied zwischen beiden, der Wille setzt 
sich selbst aus sich heraus, die Idee wird vom Willen aus 
sich (als einer im Zustande des Nichtseins Befindlichen) heraus¬ 
gesetzt in’s Sein. 
Könnte die Idee von sich selbst in’s Sein übergehen, so 
wäre sie ja Potenz des Seins, wäre also selbst Wille. An¬ 
dererseits kann aber die noch nicht in’s Sein gesetzte Idee auch 
nicht schlechthin nicht sein (ovx dvai), sonst könnte auch 
der Wille nichts aus ihr machen; sie kann nur ein noch nicht 
im eminenten Sinne Seiendes {ui) ov) sein. Wenn sie nun weder 
wirkliches Sein, noch Potenz des Seins, noch auch schlechthin 
Nichts sein soll, was bleibt dann übrig? Nichts als das rein 
Seiende, punis actus ohne vorhergegangene Potenz, der eben 
darum nicht wirkliches Sein ist, weil er aus keiner Potenz 
h er vor gegangen ist. Es fehlt der Sprache zur Bezeich¬ 
nung dieses Begriffes jedes geeignete Wort; bei actus denkt man 
einerseits unwillkürlich stets an eine vorausgegangene Potenz, 
die hier fehlt, und andererseits an ein wirkliches Sein, eine 
wirksame Thätigkeit, deren strictes Gegentheil jenes stille, ge¬ 
lassene, ganz in sich beschlossene, niemals von sich selbst 
aus sich herausgehende rein Seiende bildet. Das Wort actus 
passt also nur insofern, als dieser Zustand ebenso wie der actus 
einen Gegensatz zur Potenz bildet, aber einen Gegensatz, 
der ganz anderer Art ist, als der des actus. Man könnte die¬ 
sen Zustand etwa als latentes Sein bezeichnen. 
Wir finden hier die Nothwendigkeit begründet, die Idee als 
rein-Seiendes zu bestimmen, ebenso wie Schelling zu dieser Be' 
Stimmung geführt 'wurde, und wie auch Hegel der Idee als erste 
und ursprünglichste Bestimmung die des reinen Seins geben 
musste, welche im Vergleich zu einem späteren erfüllten Sein 
so gut wie Nichts ist. Hatten wir den Willen vor seiner Er¬ 
hebung als reine Potenz oder reines Vermögen bezeichnet, 
so können wir die Idee vor ihrer Ueberführung in’s Sein als das 
Reich der reinen Möglichkeit bezeichnen. Beide Ausdrücke 
stimmen darin überein, ihren Gegenstand durch eine Beziehung 
auf etwas Zukünftiges zu bestimmen; der Unterschied ist aber, 
dass diese Beziehung hei „Vermögen“ eine active bei,, Mög¬ 
lichkeit“ eine passive ist. Der Wille lässt als in sich ein¬ 
fach keine innere Unterscheidung mehr zu, sein Zustand als reines 
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