Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/758/
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Abschnitt C. Capitel XIII. 
diese Einsicht, wenn sie überzeugend und kräftig genug dazu 
ist, im Stande sein, meinen Ehrgeiz, für diesen Fall wenigstens, 
aufzuheben. Nun sind aber alle Psychologen darüber einig, dass 
eine solche Aufhebung nicht durch directen Einfluss der 
Vernunft auf das aufzuhebende Begehren zu denken sei, sondern 
nur indirect durch Motiyation oder Erregung eines ent¬ 
gegengesetzt gerichteten Begehrens, welches nun 
seinerseits mit dem ersten in eine Collision kommt, deren Re¬ 
sultat ist, dass beide sich zur Null paralysiren. Nur auf die¬ 
selbe Weise ist die Aufhebung des positiven Weltwillens zu 
denken, den Schopenhauer den Willen zum Leben nennt. Nicht 
die bewusste Erkenntniss direct kann den Willen mindern oder 
aufheben, sondern sie kann nur einen entgegengesetzt gerichte¬ 
ten, also negativen Willen erregen, der um seinen Stärkegrad 
den positiven Willen vermindert. Ganz unstatthaft ist hiernach 
Schopenhauer’s Lehre von dem in einer ganz anderartigen Er- 
kenntnissweise bestehenden Quietiv des Wollens, vor welchem 
die Motive unwirksam werden sollen, und welches der einzige 
mögliche Fall eines Eingreifens der transcendenten Freiheit des 
Willens in die Welt der Erscheinungen sein soll. (Vgl. W. a. 
W. und V. Bd. IL S. 476—477.) Solche unbegreifliche, durch 
nichts zu rechtfertigende Wunder sind bei unserer Auffassung 
überflüssig. Wie schön sagt dagegen Sehelling (II. 3., S. 206): 
„Selbst Gott kann den Willen nicht anders als durch ihn selbst 
besiegen.“ 
Wenn bei dem Kampf der speciellen Begehrungen oftmals 
zwei Begehren trotz des Kampfes keine gegenseitige Aufhebung 
bewirken, so kommt dies entweder daher, dass sie nur theil- 
weise entgegengesetzt sind, theilweise aber verschiedene Seiten¬ 
ziele verfolgen, also ihre Richtungen gleichsam nur einen Winkel 
bilden ; oder aber es kommt daher, dass das eine Begehren zwar 
in der That fortwährend vernichtet wird, aber ebenso fort¬ 
während aus dem fortbestehenden Grunde des Unbewussten 
instmctiv neu geboren wird, so dass der Schein entsteht, 
als wäre es gar nicht alterirt worden. Bei der Opposition der 
Willensbejahung und Willensverneinung ist der Gegensatz so 
mathematisch streng, dass ersterer Fall gewiss nicht eintreten 
kann, und für ein sofortiges Wiederauftauchen des Weltwillens 
nach seiner totalen Vernichtung fehlt wenigstens die Analogie 
mit dem einzelnen Begehren vollständig, weil bei letzterem der
        

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