Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/719/
Drittes Stadium der Illusion. 
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gleich in seiner vollsten Bedeutung und mannigfachsten An¬ 
wendbarkeit ausführt, und in diesem Sinne gewissermaassen 
als der positive Apostel der modernen Welt betrachtet wer¬ 
den kann. 
Lessing wendet denselben in grossartiger Weise in seiner 
Erziehung des Menschengeschlechtes an, die Werke Schillers 
sind von demselben durchdrungen, Herder giebt ihm in seinen 
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit und Kant 
in mehreren von acht philosophischem Geiste beseelten Aufsätzen 
zur Philosophie der Geschichte (Werke Bd. VIL Nr. XII. XV. 
XIX.) Ausdruck. Am tiefsten lebt und webt dieser Begriff in 
Hegel, welchem ja die ganze Welt nichts als eine sich selbst 
verwirklichende Entwickelung der Idee ist (vgl. Ges. philos. 
Abhandl. Nr. II: „Ueber die nothwendige Umbildung der Hegel’- 
sehen Philosophie aus ihrem Grundprineip heraus“). 
Dass das ganze Weltgetriebe ein einziger grossartiger Ent- 
wickelungsprocess ist, das springt auch immer deutlicher als 
Resultat der modernen Naturwissenschaften hervor. Die Astro¬ 
nomie beschränkt sich nicht mehr bloss auf die Genesis des Planeten¬ 
systems, sie greift mit den neueren Hülfsmitteln der Spectral- 
analyse weiter in den Kosmos hinaus, um durch Vergleichung 
der gegenwärtigen Zustände ferner Sonnen und Nebelflecke 
dieselben als verschiedene Stadien eines Entwickelungsprocesses 
zu begreifen, in welchem der eine Theil schneller, der andere 
langsamer fortgeschritten ist, deren Summe aber nur als eine 
kosmische Gesammtentwickelung gedacht werden kann. Die 
Photometrie und Spectral analyse im Verein suchen die Fortsetzung 
desselben in der Entwickelungsgeschichte der einzelnen Planeten 
vergleichend zu ermitteln, und Chemie und Mineralogie verbinden 
sich, um die Entwickelungsphase unseres Planeten vor jener 
Abkühlungsperiode näher zu bestimmen, deren allmähliches Fort¬ 
schreiten bis zur Gegenwart die steinernen Denkmale der Geologie 
uns in mehr und mehr entzifferter Hieroglyphenschrift erzählen. 
Die Biologie deutet uns aus den versteinerten Resten der Vorzeit 
die Entwickelungsgeschichte des Pflanzen- und Thierreichs (vgl. 
Cap. C. IX.), und die Archäologie enthüllt uns, unterstützt von 
vergleichender Sprachforschung und Anthropologie, die vor¬ 
geschichtliche Entwickelungsperiode des Menschengeschlechts, 
dessen grossartige Culturentwickelung die Geschichte zur Dar¬ 
stellung bringt, indem sie zugleich neue Perspectiven eröffnet
        

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