Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/710/
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Abschnitt C. Capitel XII. 
neben den gewussten absoluten Positionen der vielen einfachen 
Realen. Wir haben es also streng genommen auch hier nur mit 
Theismus, wenn auch mit einem verschämten Theismus zu thun. 
Der Theismus will in den Individualseelen Substanzen, aber nicht 
ursprüngliche, sondern abgeleitete, geschaffene Substanzen sehen, 
die immer in einer gewissen Abhängigkeit vom Schöpfer bleiben, 
also weder Aseität noch Absolutheit besitzen. Schon dies ist 
unvereinbar mit dem Begriff der Substanz, und der darin ent¬ 
haltene Widerspruch treibt bei näherer Betrachtung ganz von 
selbst zur Aufhebung dieses Substanzbegriffes, d. h. zur Um¬ 
wandlung des Theismus in Pantheismus. Es wäre nämlich eine 
ganz rohe und äusserliche Vorstellungsweise, die Individuen als 
ein blosses caput mortuum eines einmaligen Schöpfungsactes zu 
betrachten, der sie ein für allemal fabricirt hätte, so dass sie 
nunmehr weiter subsistiren würden auch dann, wenn etwa der 
Schöpfer aufhörte zu sein. Kein theistisches System von irgend 
welcher Tiefe und Innerlichkeit dürfte es wagen, einer so platten 
Auffassung des Schöpfungsbegriffes zu huldigen; vielmehr wird 
der Theismus darauf bestehen müssen, dass die Fortdauer der 
Creaturen an der erhaltenden Thätigkeit des Schöpfers hängt, 
dass sie in Nichts zusammenfallen würden, wenn der Schöpfer 
seine Hand von ihnen abzöge, dass es also nicht zu ihrer Ver¬ 
nichtung, sondern zu ihrem Fortbestehen in jedem Moment 
eines Willensactes des Schöpfers bedarf, d. h. dass ihr Dasein 
nicht die bleibende Wirkung eines vergangenen, ein für allemal 
gesetzten Schöpfungsactes, sondern die Manifestation einer steti¬ 
gen göttlichen Thätigkeit ist, welche darin mit dem ursprüng¬ 
lichen Schöpfungsact identisch ist, dass sie an Stelle der Nicht¬ 
existenz die Existenz der Creatur setzt. Kurz gesagt: die er¬ 
haltende Thätigkeit des Schöpfers ist auch im Theismus ein con- 
tinuirlicher Schöpfungsact, das Dasein der Creatur ist nur das 
zur Erscheinung Kommen, die nach aussen gewandte Seite 
der stetig en schöpfe rischen Thätigkeit Gottes. Hier¬ 
mit ist aber schon ausgesprochen, dass das Dasein oder die 
Existenz der Creatur nicht die Erscheinung oder Aussenseite 
einer individuellen Subsistenz oder Substanz ist, d. h. dass 
die Creatur als solche wohl Dasein aber keine Substanz hat, 
sondern dass das Subsistirende in ihr eben nur noch die gött¬ 
liche Action ist, welche sich in ihrem Dasein manifestirt. In¬ 
dem so die recht verstandene Creatur sich als göttlich gesetzte
        

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