Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/71/
Die unbewusste Vorstellung bei Ausführung der willkürlichen Bewegung, 67 
ohne Hülfe eines schon bestehenden Mechanismus für den 
gegebenen Fall. Die Theorie der Leitungsmechanismen würde 
also doch unser Problem nur nach rückwärts verschieben, 
nicht lösen, und die unten gegebene Lösung würde selbst 
dann, wenn jene Theorie richtig wäre, die einzig mögliche sein. 
Um endlich noch einmal auf das Einschieben des Muskel¬ 
gefühls der intendirten Bewegung aus der Erinnerung früherer 
Fälle von zufälliger Association zurückzukommen, so zeigt sich 
diese Erklärung nicht nur einseitig und unzulänglich, weil sie 
höchstens den Anspruch machen könnte, die Möglichkeit der 
Uebung und Vervollkommnung bei einer bereits bestehen¬ 
den causalen Verbindung, aber nicht diese selbst erklären zu 
wollen, sondern weil sie in der That auch nicht einmal jene 
erklärt, sondern auch nur das Problem um eine Stufe ver¬ 
schiebt. Vorher nämlich sah man nicht ein, wie das Treffen der 
richtigen Gehirntasten durch den Willensimpuls, durch die Vor¬ 
stellung des Fingerhebens bewirkt werden soll; jetzt sieht man 
nicht ein, wie dasselbe durch die Vorstellung des Muskel¬ 
gefühls im Finger und Unterarm bewirkt werden soll, da das 
Eine mit der Lage der motorischen Nervenendigungen im Gehirn 
so wenig etwas zu thun hat, wie das Andere; auf diese kommt 
es aber an, wenn der richtige Erfolg eintreten soll. Was soll 
eine Vorstellung, die sich auf den Finger bezieht, für die Aus¬ 
wahl des im Gehirn vom Willen anzuregenden Punctes für einen 
directen Nutzen haben? Dass die Vorstellung des Muskelge¬ 
fühls bisweilen, aber verhältnissmässig selten, vorhanden ist, 
leugne ich keineswegs; dass sie, wenn sie vorhanden ist, eine 
vermittelnde Uebergangsstufe zur Bewegung sein kann, leugne 
ich ebenso wenig, aber das leugne ich, dass für das Verständniss 
der gesuchten Verbindung mit dieser Einschaltung etwas ge¬ 
wonnen ist, — das Problem ist nach wie vor da, nur um einen 
Schritt verschoben. Diese Einschaltung hat übrigens um so we¬ 
niger Bedeutung, als in der grössten Zahl der Fälle, wo dies 
Muskelgefühl vor der Bewegung überhaupt existirt, es unbe¬ 
wusst existirt. 
Fassen wir noch einmal zusammen, was wir über das Pro¬ 
blem wissen, dann wird die Lösung sich von selbst aufdrängen. 
Gegeben ist ein Wille, dessen Inhalt die bewusste Vorstellung 
des Fingerhebens ist; erforderlich als Mittel zur Ausführung 
ein Willensimpuls auf den bestimmten Punct P im Gehirn; ge-
        

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