Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/709/
Zweites Stadium der Illusion. 
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keine Liebe ausser der intellectuellen Liebe (mit der Gott sich 
selber liebt) ewig ist“ (Ebd., Folgesatz). Gedächtniss und 
sinnliche Vorstellung bleiben ebenso wenig nach dem Tode 
übrig (Ebd., Anm., S. 38, Anm. und S. 40 Folgesatz). „Sobald 
der Ungebildete zu leiden aufhört, hört er auch auf zu sein“ 
(S. 42, Anm.). 
Am Leibniz ist wenigstens das zu beachten, dass er das¬ 
jenige, was die individuelle Beschränkung der Monade setzt, in 
nichts Anderem als dem Körper zu denken vermag, und deshalb 
die Unsterblichkeit der Seele nur bei gleichzeitiger Unsterblich¬ 
keit eines ihr eLenthümlichen und unveräusserlichen Leibes zu 
behaupten wagt. Bei dem jetzigen Standpuncte der Naturwissen¬ 
schaft kritisirt sich letztere Annahme von selbst. 
Ganz wie Spinoza äussert sich Schelling (I 6, 60—61): 
„Das Ewige der Seele ist nicht ewig wegen der Anfang- oder 
wegen der Endlosigkeit seiner Dauer, sondern es hat überhaupt 
kein Verhältnis zur Zeit. Es kann daher auch nicht un¬ 
sterblich heissen in dem Sinne, in welchem dieser Begriff 
den einer individuellen Fortdauer in sich schliesst .... Es 
ist daher ein Misskennen des ächten Geistes der Philosophie, 
die Unsterblichkeit über die Ewigkeit der Seele und ihr Sein in 
der Idee zu setzen, und, wie uns scheint, klarer Missver¬ 
stand, die Seele im Tode die Sinnlichkeit abstreifen und gleich¬ 
wohl individuell fortdauern zu lassen.“ — Fichte und Hegel 
schliessen sich ganz dieser Auffassung an und Schopenhauer 
geht noch weiter, indem ihm nur der Wille, nicht einmal das 
Wissen ewig ist. 
Bei den monistischen Systemen, mögen sie nun Naturalismus, 
Pantheismus oder Persönlichkeitspantheismus sein, kann über¬ 
haupt von individueller Unsterblichkeit ohne grobe Inconsequen- 
zen nicht die Bede sein, und bei dem pluralistischen Materialis¬ 
mus ebensowenig; sie bliebe also nur im System eines psychi¬ 
schen Individualismus oder im eigentlichen Theismus fraglich. 
Was das Erstere betrifft, so kenne ich kein durchgeführtes System 
des psychischen Individualismus, das nicht zu dem mehr oder 
minder offenen Eingeständnis anlangte, unmöglich bei dem 
Pluralismus als einem metaphysisch Letzten stehen bleiben zu 
können; Leibniz endet mit der allumfassenden Centralmonade, 
welche die Monadologie im wahrsten Sinne in sich aufhebt, Her¬ 
bart bei der doppelten Buchführung des geglaubten Gott-Schöpfers 
y. Hartmann, Phil. d. Unbewussten. 3. Aufl. 45
        

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