Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/696/
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Abschnitt C. Capitel XII. 
wissenschaftlicher und Kunst-Genüsse, allenfalls noch der Genüsse 
des Gaumens, erschöpft; dann würde man auch diesem Triebe 
mehr einen volkswirtschaftlichen Werth als einem für die zu¬ 
künftige Entwickelung der Menschheit sorgenden Instinct, als 
eine directe Bedeutung für das Wohl der Betheiligten zuschreiben 
müssen; aber wir haben seine wichtigste Bedeutung in letzterer 
Beziehung noch gar nicht erwähnt; dies ist nämlich das Be¬ 
quemmachen des Lebens. Das Halten von Dienerschaft, 
Equipagen, bequemen Wohnungen in der Stadt und auf dem 
Lande, von Haushofmeistern und Vermögensverwaltern, wozu 
weiter dient das Alles, als um sich das Leben bequem zu 
machen? Denn der Werth des Luxus als solchen ist doch ganz 
gewiss illusorisch. 
Ist aber die Bequemlichkeit eine positive Lust, oder besteht 
ihre Annehmlichkeit nicht vielmehr bloss in der Aufhebung der 
Unbequemlichkeit und Zurückführung derselben auf den Bau¬ 
horizont der Empfindung? Active Bewegung, Thätigkeit, An¬ 
strengung und Arbeit ist unbequem, passive Bewegung und Ruhe 
dagegen ist bequem; aber wenn man auch begreifen kann, wie 
Anstrengung und Bewegung vermittelst des durch den Kraft¬ 
verbrauch auf den Körper hervorgebrachten Angriffs Unlust er¬ 
zeugen können, so ist doch schlechterdings nicht einzusehen, 
wie die Ruhe, das unveränderte Verharren, eine positive Lust 
hervorbringen sollte, sie kann eben offenbar nur den Nullpunct 
der Empfindung repräsentiren. 
Wir kommen mithin bei dem, was den höchsten Neid er¬ 
weckt, dem Reichthum, wunderlicher Weise zu demselben nega¬ 
tiven Resultate, wie bei der nackten Fristung des Daseins, wo¬ 
mit wir anfingen. Dies ist gewiss bedeutsam und characteristisch 
für den Werth des Lebens. 
Festzuhalten ist, dass der Erwerbstrieb immer nur Mittel 
für anderweitige Zwecke sein kann, und sein Werth nach dem 
Werthe dieser bemessen werden muss, dass er aber keinenfalls 
einen Werth an und für sich beanspruchen darf, und dass er, 
wenn er dies thut, sofort in die Reihe der überwiegende Unlust 
erzeugenden illusorischen Triebe tritt. — Vgl. hierzu Luc. 12, 15: 
„Sehet zu und hütet Euch vor der Habgier, denn auch im Ueber- 
flusse kommt Keinem das Leben aus seinen äusseren Hülfsquellen.“ 
Und Math. 6, 19—21 u. 24—34.
        

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