Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/642/
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Abschnitt C. Capitel XII. 
der Illusion in Frage gestellt wird. Beides kommt aber für 
das Ziel unserer Betrachtung fast auf dasselbe heraus; denn wenn 
es wahr ist, dass bei dem fortschreitend wachsenden Maasse der 
Intelligenz in der Welt auch die Illusionen des Daseins mehr 
und mehr untergraben werden müssen, bis zuletzt ,, Alles als 
ganz eitel“ erkannt wird, so würde der Zustand der Welt immer 
unglücklicher, je mehr sie dem Ziele ihrer Entwickelung sich 
nähert, woraus zu folgern wäre, dass es vernünftiger gewesen 
wäre, die Entwickelung der Welt je früher je besser zu hindern, 
am Besten die Entstehung im Entstehungsmomente zu unterdrücken. 
Erstes Stadium der Illusion. 
Das Glück wird als ein auf der jetzigen Entwiekelungsstufe der Welt 
erreichtes, also dem heutigen Individuum im irdischen Lehen erreichbares 
gedacht. 
I. Kritik der Schopenhauer’schen Theorie von der Negativität der Lust. 
Ich muss bei dieser Betrachtung den sogenannten Schopen¬ 
hauer’schen Pessimismus als bekannt voraussetzen (siehe: Welt 
als Wille und Vorstellung, Bd. I. §. 56—59, Bd. IL Cap. 46, 
Parerga, 2. Aufl. Bd. I. S. 430—39 und Bd. II. Cap. XI. und 
XII.) und bitte die angeführten Abschnitte einmal in der bezeieh- 
neten Reihenfolge durchzulesen, was bei Schopenhauer’s pikantem 
Styl ein Ansuchen ist, für das mir der noch damit unbekannte 
Leser gewiss Dank wissen wird. In wie weit ich von den dort 
angenommenen Auffassungen abweiche, geht grösstentheils schon 
aus früher Gesagtem hervor. Der (Welt als W. und V. 3. Aufl. 
Bd. IL S. 667—668) versuchte Beweis, dass diese Welt die 
schlechteste unter allen möglichen sei, ist ein offenbares Sophisma ; 
überall sonst will auch Schopenhauer selbst nichts weiter be¬ 
haupten und beweisen, als dass das Sein dieser Welt schlimmer 
sei als ihr Nichtsein, und diese Behauptung halte ich für richtig. 
Das Wort Pessimismus ist also eine unangemessene Nach¬ 
bildung des Wortes Optimismus — So nutzlos ich ferner die 
Versuche des Leibniz erachten musste, zur Rettung der All Weis¬ 
heit und der bestmöglichen Welt das Elend der Welt wegzu- 
demonstriren, so wenig kanu ich es billigen, dass Schopenhauer
        

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