Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/624/
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Abschnitt C. Capitel XI. 
Beispiele hiervon haben wir während des Verlaufes unserer 
Untersuchungen so zahlreich gefunden, dass ich hier kaum eine 
besondere Verweisung, geschweige denn Aufzählung für nöthig 
halte. Der umfassendste und wichtigste von allen aber ist das 
System der physikalisch-chemischen Naturgesetze. 
Wie viel Mechanismen aber auch das Unbewusste zur Er¬ 
leichterung seiner Arbeit benutzen möge, so können diese doch 
niemals das fortwährende directe Eingreifen entbehrlich machen, 
denn sie gehen ihrer Natur nach auf eine Classe gleichartiger 
Fälle, während in Wirklichkeit jeder Fall sich vom anderen 
unterscheidet; es lässt also der besteingerichtete Mechanismus 
immer einen Rest von Arbeit übrig, der nach wie vor der directen 
Thätigkeit des Unbewussten anheimfällt, und welcher in der voll¬ 
ständigen Anpassung an die Einzigkeit des vorliegenden Falles 
besteht. Sobald der Kraftaufwand zur Herstellung eines Mecha¬ 
nismus grösser würde, als die durch den Mechanismus erreichte 
Kraftersparniss (was bei allen solchen Umstandscombinationen 
der Fall ist, die ihrer Natur nach nur selten eintreten, oder wo 
sich aus anderweitigen Gründen ein Mechanismus nur schwer 
construiren lässt), da muss natürlich die directe Thätigkeit des 
Unbewussten ohne Weiteres einstehen. Solcher Art sind z. B. 
die Eingriffe des Unbewussten in menschlichen Gehirnen, welche 
den Verlauf der Geschichte auf allen Gebieten der Culturent- 
wickelung im Sinne des vom Unbewussten beabsichtigten Zieles 
bestimmen und leiten. 
Wenn wir nun nach alle dem nicht umhin können, dem 
Unbewussten erstens absolutes Hellsehen (welches dem theolo¬ 
gischen Begriffe der Allwissenheit entspricht), zweitens eine un¬ 
fehlbare und zweifellose logische Verknüpfung der umfassten 
Data und möglichst zweckmässiges Handeln im möglichst ange¬ 
messenen Moment (theologisch mit der Allwissenheit vereinigt in 
Allweisheit), und drittens ein unaufhörliches Eingreifen in jedem 
Moment und an jeder Stelle (theologisch Allgegenwart, man 
müsste hinzufügen allzeitliche Allgegenwart) zuzuschreiben, wenn 
wir ferner erwägen, dass im ersten Moment, wo das Unbewusste 
in Thätigkeit trat, also im Moment der ersten Setzung und Ver¬ 
anlagung dieser Welt, eben dieselbe ideale Welt aller mög¬ 
lichen Vorstellungen, also auch aller möglichen Welten und 
Weltziele und Weltzwecke und ihrer möglichen Mittel im all¬ 
wissenden Unbewussten ruhte, — wenn wir endlich berück-
        

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