Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/61/
Der unbew. Wille i. d„ selbstständ. Kückenmarks- u. Ganglienfunctionen. 57 
beginnt, wie man an einem blossgelegten Froschherzen sieht, bei 
den contractilen Hohlvenen, dann folgt die Zusammenziehung der 
Vorhöfe, dann der Ventrikel, endlich des Bulbus aortae. Am 
Darm beginnt die Bewegung am unteren Theile der Speiseröhre, 
und schreitet wurmförmig von oben nach unten fort, aber eine 
Welle ist noch nicht abgelaufen, so beginnt schon die nächste. 
Haben diese Darmbewegungen nicht die täuschendste Aehnlich- 
keit mit dem Kriechen eines Wurmes, bloss mit dem Unterschiede, 
dass der Wurm sich dadurch auf der Unterlage fortschiebt, 
während hier der Wurm befestigt ist, und die (innere) Unterlage, 
die Speisemassen und die Faces fortgeschoben werden, — sollte 
das eine Wille heissen dürfen und das andere nicht? — Der 
Tonus ist eine gelinde Muskeleontraction, welche unaufhörlich bei 
Lebzeiten an allen Muskeln stattfindet, selbst in Schlaf und Ohn¬ 
macht. Bei den der Willkür, dem Hirn willen, unterworfenen 
Muskeln bewirkt ihn das Rückenmark, und es entstehen nur des¬ 
halb keine Bewegungen der Glieder, weil die Wirkungen der 
entgegengesetzten Muskeln (Antagonisten) sich aufheben. Wo 
daher keine entgegengesetzten Muskeln sind (wie z. B. bei den 
kreisförmigen Schliessmuskeln), da ist auch der Erfolg der Con¬ 
traction deutlich, und kann nur durch starken Andrang der den 
Ausweg suchenden Massen überwunden werden. Der Tonus der 
Eingeweide, Arterien und Venen hängt vom Sympathicus ab und 
ist letzterer für die Blutcirculation durchaus noth wendig. — Was 
endlich die Absonderung und Ernährung betrifft, so können die 
Nerven dieselben theils durch Erweiterung und Verengerung der 
Capillargefässe, theils durch Spannung und Erschlaffung der 
endosmotischen Membranen, theils endlich durch Erzeugung von 
chemischen, elektrischen und thermischen Strömungen beein¬ 
flussen ; alle solche Functionen werden ausschliesslich von unterge¬ 
ordneten Ganglien aus durch die allen Körpernerven beigemengten 
sympathischen Nervenfasern geleitet, die sich namentlich durch ge¬ 
ringere Stärke vor den sensiblen und motorischen Fasern auszeichnen. 
Die sichersten Beweise für die Unabhängigkeit des Gang¬ 
liensystems liegen in Bidder's Versuchen mit Fröschen. Bei 
vollständig zerstörtem Rückenmark lebten die Thiere oft noch 
sechs, bisweilen zehn Wochen (mit allmälig langsamer werden¬ 
dem Herzschlage). Bei Zerstörung des Gehirns und Rücken¬ 
markes mit alleiniger Schonung des verlängerten Markes (zum 
Athmen) lebten sie noch sechs Tage; wenn auch dieses zerstört
        

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