Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/600/
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Abschnitt C. Capitel X. 
wird, oder aber im anderen Falle bei Annahme des Solipismus 
wiederum die Beschränktheit dieses selbsteinzigen anschauen¬ 
den Subjects unbegreiflich bleibt. 
Letztere Seite der Frage erkennt Schelling allerdings an 
(Werke I. 3. S. 483): „Die Aufgabe ist nun aber diese, wie 
aus einem Handeln des absoluten Ich’s die absolute Intelligenz, 
und wie wiederum aus einem Handeln der absoluten Intelligenz 
das ganze System der Beschränktheit, welche meine Individualität 
constituirt, sich erklären lasse“. Die Antwort folgt auf der 
nächsten Seite: „Bliebe nun die Intelligenz Eins mit der abso¬ 
luten Synthesis, so würde zwar ein Universum, aber es würde 
keine Intelligenz sein. Soll eine Intelligenz sein, so muss sie 
aus jener Synthesis heraustreten können, um sie mit Bewusst¬ 
sein wieder zu erzeugen, aber dies ist abermals unmöglich, ohne 
dass in jene erste Beschränktheit eine besondere oder zweite kommt, 
welche nun nicht mehr darin bestehen kann, dass die Intelligenz 
überhaupt ein Universum, sondern dass sie das Universum gerade 
von diesem bestimmten Puncte aus anschaut.“ 
Ich gestehe, dass ich denjenigen beneiden würde, der aus 
dieser Stelle in ihrem Zusammenhänge die Wahrheit herauszu¬ 
lesen im Stande ist, wenn er sie nicht schon vorher besitzt. 
Für das Hegel’sche System ist unsere Frage geradezu eine 
der schlimmsten Blossen. Nach Hegel ist der Begriff die alleinige 
Substanz, es ist nichts ausser dem Begriffe, und der Naturprocess 
eine objective Begriffs-Dialektik. Andererseits giebt er selbst 
zu, dass der Begriff so wenig wie das Wort im Stande ist, das 
einzelne Dieses in seiner Einzigkeit zu erfassen, dieses In¬ 
dividuum , welches man als solches nur noch zeigen, nicht mehr 
beschreiben kann. Die individuelle Einzigkeit steht ausserhalb 
der Tragweite des Begriffes und damit ausser der des HegeFschen 
Systèmes, wenn dieses sich selbst consequent bleiben will. Schon 
die Vielheit als reale Erscheinung kann dasselbe nicht erklären, 
denn es ist kein Grund abzusehen, warum bei der Entlassung 
der absoluten Idee zur Natur jede Entwickelungsstufe des 
logischen Processes mehr als eine entsprechende Entwiekelungs 
stufe des Naturprocesses haben solle. Die dialektische Selbst¬ 
zersplitterung des Eins in die Vielen giebt zwar die Vielheit 
als reinen Begriff, aber nicht die Vielheit als Accidenz realer 
Erscheinungen, denn nie würde Hegel die Selbstzersplitterung 
eines Thalers in viele Thaler oder Groschen behauptet haben,
        

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