Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/582/
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Abschnitt C. Capitel IX. 
Durchgangsformen für höher entwickelte Stufen eine Be¬ 
deutung haben, wo man also das vorweggenommene Dasein 
um des künftigen Zweckes willen deutlich sieht, z. B. die erste 
Bildung von einem knorpeligen Rückenstrang in denjenigen pri¬ 
mitiven Fischformen, welche durch ein äusseres Schalgerüst voll¬ 
kommene Festigkeit wie die Crustaceen besassen, von denen sie 
abstammen, so dass das primitive innere Knochengerüst nicht 
für sie selbst, sondern nur für ihre späteren Nachkommen eine 
Wichtigkeit hatte, welche den Schalpanzer in ein Schuppenkleid 
verwandelten, oder wie das Gehirn der tiefstehendsten Wilden 
und Urmenschen (älteste Schädelfunde), welches reichlich 5/6 so 
gross als das Gehirn der vorgeschrittensten Culturracen ist, 
während für die Functionen, denen es dient, ganz füglich das 
Gehirn der anthropoiden Affen hinreichen würde, das nur V3 von 
dem des Culturmenschen beträgt. Selbst Wallace sagt wörtlich: 
,»Natürliche Zuchtwahl konnte den Wilden nur mit einem Gehirn 
ausstatten, welches ein wenig dem des Affen überlegen ist, 
während er thatsächlich eines besitzt, welches dem eines Philosophen 
wenig nachsteht“ (Beitrages. 409). DieserUmstand in Verbindung 
damit, dass die Behaarung auf dem menschlichen Rücken fehlt, 
dass Hand und Fuss unnöthig vollkommene Organe für den 
Wilden zu sein scheinen, und dass die menschlichen Stimmorgane, 
namentlich der weibliche Kehlkopf, so wunderbare und für den 
Wilden nutzlose latente Fähigkeiten enthalten, welche erst bei 
hoher Cultur zur Verwerthung gelangen, — alle diese Umstände 
lassen Wallace den Schluss ziehen, „dass eine überlegene Intelligenz 
die Entwickelung des Menschen nach einer bestimmten Richtung 
hin und zu einem bestimmten Zwecke geleitet hat, gerade so 
wie der Mensch die Entwickelung vieler Thier- und Pflanzen¬ 
formen leitet“ (Beiträge S. 412). — Die Darwinsche Theorie hat 
das Verdienst, auf die Summirung der individuellen 
Abweichungen nach einer bestimmten Richtung und die dadurch 
ermöglichte Veränderung eines Typus in den einer anderen Varietät 
oder Art hingewiesen und mit reichen Beispielen belegt zu haben; 
es ist sehr verzeihlich für eine verdienstvolle neue Ansicht, wenn 
sie ihre Tragweite überschätzt und alles zu erklären 
glaubt, wenn sie in Wirklichkeit nur einiges, vielleicht auch 
das Meiste, erklärt, und um so interessanter ist das obige Zeugniss 
des Darwinschen Concurrenten Wallace, welches die Unzuläng-
        

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