Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/561/
Das Wesen der Zeugung vom Standpuncte der All-Einheit des Unbew. 557 
Elementen ist im Princip als gelöst zu betrachten, und die Er¬ 
folge in der sogenannten aromatischen Reihe (wohin die meisten 
flüssigen Brennstofle , die organischen Farbstoffe, Essenzen und 
Parfüms gehören), schreiten so rapide und mit solcher Sicherheit vor, 
dass man jetzt fast nur noch die organisch-chemische Constitution 
solcher Körper genau zu ermitteln braucht, um ihrer Synthese 
im Voraus sicher zu sein. Aber schon dringt der scharfe Blick 
des Chemikers weiter; die Gummi- und Zuckerstoffe beginnen 
sich seinem Verständniss zu erschlossen, und erwecken für die 
Zukunft der organischen Synthese unbegrenzte Hoffnungen. 
Wenn so die Grenze zwischen unorganischer und organi¬ 
scher Materie längst gefallen ist, so beginnt auch die von an¬ 
organischer und organischer Form mehr und mehr zu wanken. 
Freilich zeigen die zusammengesetzten organischen Typen For¬ 
men, zu denen sich (mit Ausnahme des radiären Typus) in der 
anorganischen Natur keine Analogie findet; aber man darf nicht 
vergessen, dass das Leben auch schon in dem grossen Reiche 
der einzelligen Organismen wohnt, und die Zelle findet in der 
That ihr Analogon in der anorganischen Natur. Zunächst be¬ 
sitzen nämlich die meisten Flüssigkeiten an ihrer Oberfläche 
eine erheblich grössere Dichtigkeit und Zähigkeit als im Innern, 
ein Unterschied, der bei keiner stärker hervortritt, als beim Ei- 
weiss und seinen Lösuugen. Bietet sich hier an jedem Tropfen 
eine Analogie mit der oft unendlich zarten Zellmembran, so wird 
die Aehnlichkeit zur überraschenden morphologischen Identität 
mit Stärkemehlkörnern bei den mikroskopischen Körperchen aus 
kohlensaurem Kalk, welche Famintzin durch Zusammenbringen 
gesättigter Lösungen von Chlorcalcium und kohlensaurem Kali 
niederschlug. Hier zeigt sich derselbe Kern, dieselbe Schich¬ 
tung, dieselbe Verwachsung mehrerer Körner, dieselbe erhöhte 
Widerstandsfähigkeit der äussersten Schicht gegen Essigsäure, 
wie bei den Stärkemehlkörnern. Hieraus ergiebt sich zunächst, 
dass Stärkemehlkörner keine lebendigen Zellen sind, sondern 
leblose Secrete anderer lebendiger Elemente, ein Vorrathsspeicher 
zum künftigen Wiederverbrauch bestimmten Materials. Es ergiebt 
sich aber auch, dass die Zellenform mit Kern und Membran an 
sich noch gar nichts für das Vorhandensein von organischem 
Leben beweist, selbst dann nicht, wenn sie organische Materie zum 
Inhalt hat, sondern dass zum Leben noch etwas ganz anderes 
gehört, als organischer Stoff und organische Form, etwas Ideales, 
das sich in der Erhaltung und Fortbildung der Form durch
        

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