Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/540/
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Abschnitt C. Capitel VII. 
sie nicht im All-Einen Wesen selbst für dieses bewusste seien? 
Die einfachste Entgegnung gegen diese Bemerkung besteht in 
dem Hinweis auf die dem Behauptenden obliegende Beweislast; 
nicht mir kommt es zu, zu beweisen, dass die unbewussten phy¬ 
sischen Functionen, welche als solche zur Erklärung des zu 
Erklärenden aus reichen, nicht anderseits im All-Einen be¬ 
wusste seien, sondern denjenigen, welche diesen für die Er¬ 
klärung der Erscheinungen völlig werthlosen und 
gleichgültigen Zusatz zur Hypothese hinzufügen wollen, 
haben die Begründung ihrer Annahme beizubringen, welche bis 
dahin als leere Behauptung zu betrachten und demgemäss wissen¬ 
schaftlich zu ignoriren ist. Obwohl dies zur Abweisung obigen 
Einwandes genügen würde, so will ich doch näher auf die Sache 
eingehen, weil die Betrachtung dieses Punctes lehrreich für das 
genauere Verständniss des Unbewussten ist. 
Zunächst ist hier daran zu erinnern, dass das Bewusstsein 
nichts weniger als einen absoluten Werth hat, dass es vielmehr 
eine Beschränkung und eine gewissermaassen unnatürliche Spal¬ 
tung und Entzweiung in der Harmonie der beiden Attribute des 
Unbewussten ist, welcher wir endlichen Individuen nur deshalb 
unterworfen sind, um einen einmal begangenen Fehler wieder gut- 
zu machen (vgl. unter Cap. C. XIII.), dass demnach das Vorur- 
theil des vulgären Theismus, Gott noch ausserhalb der Individuen 
ein eigenes persönliches Bewusstsein anzudichten, keine geringere 
anthropopathische Verirrung ist, als die des jüdischen Testa¬ 
mentes, wenn dasselbe ihm Zorn, Bachsucht und ähnliche, nach 
den an uns selbst gemachten Erfahrungen bemessene Eigenschaf¬ 
ten zuschreibt (selbst fromme Kirchenväter, wie z. B. Augustinus 
sind von obigem Bedenken beunruhigt worden). Das Eine wie 
das Andere ist eine unwürdige Beschränkung der reinen und 
erhabenen Sphäre der Göttlichkeit, welche so von der zeitlosen 
Allwissenheit der Idee erfüllt ist, dass sie zu einer Be flexion 
in sich so wenig Veranlassung hat, als zu einer Beflexion in 
Anderes, überhaupt bei dem intuitiven Character ihres Wissens 
zu gar keiner Beflexion kommen kann, welche nur auf der Vor¬ 
aussetzung discursiven Denkens einen Sinn hat, — am aller¬ 
wenigsten aber mit dem, was wir als Bewusstsein und Selbst¬ 
bewusstsein kennen, etwas zu schaffen haben kann, da beides 
nur auf dem Boden der Sinnlichkeit erst möglich wird. Erst 
die Entzweiung der Idee in Subject und Object macht deren
        

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