Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/520/
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Abschnitt C. Capitel YI. 
sten wie der niedrigsten zukommt, und die nur durch die eigen¬ 
tümliche Beziehung der Wirkungsrichtungen auf 
Einen Punct in den Atom-Monaden und deren Combina- 
tionen für die sinnliche Wahrnehmung von Aussen den Schein 
der Körperlichkeit hervorruft. Immerhin aber ist es kein 
glücklich gewähltes Wort, das Vermögen, räumlich zu wirken, 
mit dem Namen Körper zu belegen, da nur die Combination der 
niedrigsten Art von räumlichen Kräften dieses Wort in Anspruch 
nehmen kann. Lassen wir aber diesen unveräusserlichen Mo¬ 
nadenkörper bei Seite und betrachten, wie Leibniz die Zusam¬ 
mensetzung der Monaden auffasst. 
Wenn mehrere Monaden zusammentreten, so bilden sie ent¬ 
weder ein unorganisches Aggregat, oder einen Organismus. Im 
Organismus sind höhere und niedere Monaden, in dem unorgani¬ 
schen Aggregat nur niedere Monaden enthalten, daher findet in 
ersterem Subordination, in letzterem nur Coordination der Mona¬ 
den statt. Auf je höherer Stufe der Organismus steht, desto 
mehr tritt das Uebergewicht Einer Monade an Vollkommenheit 
gegen alle übrigen hervor; diese heisst alsdann Centralmonade. 
Die höheren Monaden werden von den niederen unklar und 
unvollkommen vörgestellt, die niederen von den höheren dagegen 
klar und vollkommen. „JVt une créature est plus parfaite qu’une 
autre en ce quon trouve en elle ce qui sert à rendre raison a 
priori de ce qui ce passe dans Vautre, et c’est par là, quon dit, 
quelle agit sur Vautre. Mais dans les substances simples ce n'est 
qu’une influence idéale d’une Monade sur Vautre“ (Monado¬ 
logie Nr. 50, 51, p. 709.) 
Leibniz läugnet den influxus physicus zwischen den Monaden, 
indem er sagt, dieselben hätten keine Fenster, durch die Etwas 
hineinschauen könnte; der influxus idealis, den er an dessen 
Stelle setzt, besteht ihm nur in einer Uebereinstimmung 
a priori dessen, was die Monaden vorstellen, d. h. in einer 
prästabilirten Harmonie. Nun ist aber das Verhältniss 
der Centralmonade in einem Organismus zu der Summe der 
subordini rten Monaden das, was man zu allen Zeiten das 
Verhältniss von Seele und Leib genannt hat; zwischen die¬ 
sem Leibe und der Seele besteht also prästabilirte Harmonie. 
Das Verhältniss zwischen der Seele und dem complexen 
wandelbaren Leibe hat Leibniz von Aristoteles übernommen ; es 
ist das Verhältniss von héoyeia und ['//., von sich auswirkender 
V a t y
        

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