Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/485/
Die Materie als Wille und Vorstellung. 
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kraft auf den ganzen Stoff des Atomes gleichmässig vertheilt 
annimmt, kann, wie gesagt, sich dieser Anschauungsweise nicht 
entziehen, denn er muss die Gesanmitkraft des Atomes als Re¬ 
sultante einer unendlichen Masse punctueller Kräfte innerhalb 
des Atomes auffassen, wie widerspruchsvoll auch diese Anfor¬ 
derung ist. 
Ferner nehmen auch die Vertheidiger des Stoffes die Mög¬ 
lichkeit einer relativen Ortsveränderung dieses 
Pu net es an, in welchem sich die Richtungen der Kraftäusse¬ 
rungen schneiden. Wir lassen vorläufig die Frage unerörtert, 
ob die Kraft als solche, abgesehen von ihren Aeusserungen, 
etwas ist, dem man Räumlichkeit oder einen Ort im Raume bei¬ 
legen kann; wenn sie einen Ort hat, so ist es jedenfalls die¬ 
ser Durchschnittspunct, und wir nennen deshalb vorläufig 
diesen den Sitz der Kraft. Wir nehmen ferner an, dass die 
Atomkräfte sich gegenseitig als Objecte dienen, d. h. dass die 
gegenseitige Anziehung von A und B die Ortsveränderung des 
Sitzes der Kräfte bewirkt, in dem Sinne, dass dieselben sich 
einander nähern, bei Abstossung sich entfernen. Ich sehe nicht, 
wo man hier Schwierigkeiten finden könnte. Die Kräfte wirken 
nach naturwissenschaftlicher Annahme in die Ferne, und sind 
gleichartiger Natur, warum sollen sie nicht auf einander wir¬ 
ken, wenn man doch bisher eine Wirkung der Kraft auf den 
ihr heterogenen Stoff und eine Wirkung des todten Stoffes auf 
die ihm heterogene Kraft zugegeben hat? Wir brauchen nur 
Annahmen, die bisher schon da waren, streichen von den frü¬ 
heren mehrere als überflüssig und ungerechtfertigt weg, kommen 
trotzdem nicht nur ebenso gut, sondern um Vieles einfacher und 
plausibler zum Ziele, und vermeiden alle Schwierigkeiten, die 
sich im Gefolge jener nutzlosen Annahmen einstellten. Rechnen 
wir dazu, dass jene Annahmen auf einem leeren Worte ohne 
jeden Begriff beruhen, so wird der aus der Vereinfachung 
der Principien hervorgehende Gewinn nicht gering angeschlagen 
werden dürfen. 
Dazu kommt noch als Feuerprobe, dass unsere nunmehrige 
Auffassung der Materie die beiden bisher getrennten Parteien 
der Atomisten und Dynamisten in sich aufhebt, da sie 
aus dem Umschlag des Atomismus in Dynamismus ent¬ 
standen ist, alle bisherigen V o r z ü g e des Atomismus, die ihm 
seine ausschliessliche Geltung in der heutigen Naturwissenschaft 
v. Hartmann, Phil, des Unbewussten. 3. Aufl. 31
        

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