Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/477/
Die Materie als Wille und Vorstellung. 
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Ein Atom mit n- fach er Masse nennen zu wollen; es bleibt, 
so lange die Atome als stoffliche, undurchdringliche Kugeln 
gedacht werden, immer ein Complex von n Atomen. — 
Uebrigens haben wir gar keine Veranlassung, an die wirk¬ 
liche Existenz solcher unmittelbaren Verschmelzungen von Kör¬ 
per-Atomen zu glauben, denn es ist anzunehmen, dass die Körper- 
Atome in dem Moieciile eines bis jetzt als solchen betrachteten 
chemischen Elementes ebensowohl durch Aether-Atome aus ein¬ 
ander gehalten werden, wie die Moieciile der chemischen Ele¬ 
mente in dem Moieciile ihrer chemischen Verbindung, welches 
letztere dadurch bewiesen wird, dass sie sich durch Aether- 
schwingungen (Wärme, Galvanismus u. s. w.) wieder trennen 
lassen. Auch können wir uns unbedenklich die Anzahl der in 
einem Elementarmoleciile vereinigten Körper-Atome sehr gross 
vorstellen, wenn wir daran denken, dass in dem Moieciile einer 
höheren organischen Verbindung oft Hunderte von Elementar- 
moiecülen vereinigt sind. 
Das Resultat von alle dem ist, dass das Atom die Einheit 
ist, aus der sich erst jede Masse zusammensetzt, wie sich aus 
der Eins alle Zahlen zusammensetzen, dass es daher so wenig 
einen Sinn hat, nach der Massengrösse eines Ato¬ 
mes, als nach der Zahlen grosse der Eins zu fragen. 
Wir kommen nun zu der letzten und schwierigsten Frage: 
ist das Atom sonst noch etwas als Kraft, hat das Atom Stoff, 
und was ist bei diesem Worte zu denken? - Erinnern wir uns 
zunächst, wie wir zu den Atomen gekommen sind. Wir stossen 
uns als Kind an den Kopf und fühlen den Schmerz, wir betasten 
die Dinge und bekommen Gesichts- und sonstige Sinneseindrücke 
von ihnen. Wir supponiren zu diesen instinctiv räumlich hinaus- 
projicirten Wahrnehmungen ebenso instinctiv Ursachen, welche 
wir Dinge nennen. Diese supponirten Dinge ausser uns, welche 
auf uns einwirken, besonders aber Das, woran wir uns 
draussen stossen, nennen wir Materie oder Stoff. Die 
Wissenschaft bleibt bei dieser rohen, instinctiv sinnlichen und 
practisch ausreichenden Hypothese nicht stehen, sondern verfolgt 
die Ursachen unserer Wahrnehmungen weiter und untersucht 
sie genauer. Sie zeigt uns, dass die Gesichtswahrnehmungen 
durch Aetherschwingungen, die Gehörwahrnehmungen durch Luft¬ 
schwingungen, die Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen 
durch chemische Schwingungen in unseren Sinnesorganen erregt
        

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