Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/412/
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Abschnitt C. Capitel III. 
ob die Vorstellung das einzige Object des Bewusstseins sei; 
vielmehr war der ausschliessliche Grund für diese Beschränkung 
das Bestreben, das Eindringen in dies schwierige Gebiet nicht 
durch vorzeitige Vermehrung der Objecte und Complication der 
Gesichtspuncte noch mehr zu erschweren. Nur aus diesem 
Grunde haben wir statt des allgemeinen „Objectes des Bewusst¬ 
werdens“ einen besonders characteristischen Fall als Beispiel 
gewählt, Soll nun aber das so einseitig gewonnene Princip der 
Bewusstseinsentstehung richtig sein, so muss es für jeden mög¬ 
lichen Inhalt des Bewusstwerdens passen; es muss sich aus ihm 
logisch deduciren lassen, welche Elemente ir/s Bewusstsein ein- 
treten können, welche nicht, indem man sie eins nach dem 
andern in die Formel einsetzt. Dies wollen wir jetzt mit Unlust, 
Lust und Willen thun, welche ausser der Vorstellung als mögliche 
Objecte des Bewusstseins übrig bleiben. Was wir so a priori 
als Consequenz unseres Principes ableiten, das muss sich dann 
a posteriori vor der Erfahrung als richtig ausweisen; an dieser 
aposteriorischen Bestätigung haben wir dann die Rechnungsprobe 
des Principes, dass Alles das, was die Erfahrung uns als zu 
Erklärendes bietet, auch wirklich aus ihm fliesst, während wir 
das Princip selbst ursprünglich a priori durch Elimination der 
unrichtigen Annahmen von allen Möglichem gewonnen haben, wo 
uns zuletzt nur das Eine übrig blieb. Wollte man nun, wenn 
das Princip a priori und a posteriori gerechtfertigt sein wird, 
etvra noch verlangen, dass ich zeigte, wie und auf welche 
Weise aus dem dargelegten Processe gerade Dasjenige resultirt, 
was wir in der inneren Erfahrung als Bewusstsein kennen, so 
wäre diese Anforderung so unbillig, als die an den Physiker, zu 
zeigen, wie aus den Luftwellen und der Einrichtung unseres 
Obres das resultirt, was wir in der inneren Erfahrung als Ton 
kennen. Der Physiker zeigt uns nur, und kann nur zeigen, 
dass das, was subjectiv als Ton empfunden wird, objectiv be¬ 
trachtet in einem Processe besteht, welcher sich aus den und 
den Schwingungen zusammensetzt; so kann ich nur zeigen, dass 
das, was wir in subjectiver Auffassung als Bewusstsein kennen, 
objectiv betrachtet ein Process ist, der sich aus den und den 
Gliedern und Momenten so und so aufbaut, Mehr zu erfahren 
halte ich für unmöglich, und darum mehr zu fordern für unbillig, 
denn man würde, um das Wie der Verwandlung des objectiven 
Processes in subjective Empfindung zu verstehen, einen dritten
        

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