Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/404/
III. 
Die Entstehung des Bewusstseins. 
Das Bewusstsein ist nicht ein ruhender Zustand, sondern 
ein Process, ein stetiges Bewusstwerden. Dass dieser geistige 
Process, dem das Bewusstsein seine Entstehung verdankt, nicht 
unmittelbar vom Bewusstsein des Beobachters erfasst werden 
kann, versteht sich von selbst, denn das, was erst das Bewusst¬ 
sein erzeugt, muss natürlich hinter dem Bewusstsein liegen, und 
der bewussten Selbstbeobachtung unzugänglich sein. Wir können 
also nur auf indirectem Wege zum Ziele zu gelangen hoffen. 
Die erste Bedingung ist, dass wir den Begriff des Bewusst¬ 
seins schärfer abgrenzen, als es bisher noting war. — Zunächst 
ist es vom Selbstbewusstsein zu unterscheiden. Mein Selbstbe¬ 
wusstsein ist das Bewusstsein meiner selbst, d. i. das Bewusst¬ 
sein des Subjectes meiner Geistesthätigkeit; unter Subject meiner 
Geistesthätigkeit verstehe ich aber denjenigen Theil der voll¬ 
ständigen Ursache meiner Geistesthätigkeit, welcher nicht äusser- 
lich ist, also die innere Ursache derselben. Das Selbstbewusst¬ 
sein ist also nur ein specieller Fall der Anwendung des Bewusst¬ 
seins auf ein bestimmtes Object, nämlich auf die supponirte innere 
Ursache der Geistesthätigkeit, welche mit dem Namen Subject 
bezeichnet wird. Das Bewusstsein als solches ist mithin seinem 
Begriffe nach frei von der bewussten Beziehung auf das Subject, 
indem es an und für sich nur auf das Object geht, und wird 
nur dadurch Selbstbewusstsein, dass ihm zufällig die Vorstel¬ 
lung des Subjects zum Object wird. Hieraus folgt, dass 
kein Selbstbewusstsein ohne Bewusstsein, wohl aber Bewusstsein 
ohne Selbstbewusstsein gedacht werden kann. Nur für die be¬ 
wusste Reflexion, wie sie im Kopfe des in Gedanken ausserhalb 
des Processes stehenden und denselben objectiv betrachtenden 
Philosophen stattfindet, nicht aber für das Subject des Processes
        

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