Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/390/
IL 
Gehirn und Ganglien als Bedingung des thierisehen 
Bewusstseins. 
Fast alle Naturforscher, Physiologen und Aerzte sind Mate- 
rialisten, und je mehr die Kenntniss und Denkweise der Natur¬ 
wissenschaften und Physiologie sich unter das gebildete Publi¬ 
cum ausbreitet, desto mehr greift die materialistische Weltan¬ 
schauung um sich. Woran liegt das? An der Einfachheit und 
schlagenden Evidenz der Thatsachen, auf die sich die materiali¬ 
stische Auffassung der Thier- und Menschenseele, des einzigen 
uns bekannten Geistes, stützt. Nur wer diese Thatsachen nicht 
kennt, wie die unwissenschaftliche Menge, oder die Gelehrten¬ 
welt ohne naturwissenschaftliche und physiologische Kenntnisse, 
oder wer mit den vorgefassten Meinungen religiöser oder philo¬ 
sophischer Systeme an diese Thatsachen herantritt, nur der kann 
sich ihrem Einflüsse entziehen; jeden unbefangenen denkenden 
Menschen aber müssen sie schlechterdings überzeugen, weil sie 
eben nur genommen zu werden brauchen, wie sie sind; sie 
sprechen ihre Bedeutung mit so naiver Klarheit von selber aus, 
dass man gar nicht nöthig hat, dieselbe zu suchen. Und diese 
naive Klarheit und Unmittelbarkeit des Resultates, diese drastische 
Evidenz desselben, die sich nur mit Gewalt verläugnen lässt, 
dies ist es, was der materialistischen Auffassung des Geistes ein 
so grosses Uebergewicht über die schwierigen und spitzfindigen 
Deductionen und Wahrscheinlichkeitsbeweise, über die willkür¬ 
lichen Annahmen und oft schiefen Consequenzen der spirituali- 
stischen Psychologie sichert, was alle klaren, den mystisch¬ 
philosophischen Speculationen abgeneigten Köpfe zur Fahne des 
Materialismus schwören lässt, der einfach ist wie die Natur, die 
ihn lehrt, und klar und zutreffend in allen seinen richtigen Con-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.