Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/362/
358 
Abschnitt B. Capitel XI. 
so bald nicht gelangen würden, welche aber durch Störung der 
Stimmung, Beirrung des Intellects, Erzeugung nutzloser Unlust¬ 
empfindungen u. s. w. nachtheilig wirken. Niemals aber kann 
die bewusste Ueberlegung unmittelbar eine vorhandene Begierde 
beeinflussen, sondern nur durch mittelbare Erregung einer ent¬ 
gegengesetzten. — Dass die angeführte Art und Weise der Be¬ 
einflussung des Willens durch den Intellect in der That die einzig 
mögliche und überall practisch vorkommende ist, wird Jeder 
leicht zugeben, der dieses Gebiet der Psychologie ein wenig zum 
Gegenstände seines Nachdenkens macht; dies, sowie dass der 
Gegenstand unserem eigentlichen Thema schon ferner liegt, hält 
mich von weiterer Ausführung desselben ab. Ich will nur noch 
anführen, dass sich allein von diesem Standpuncte aus eine 
Characterveränderung aus bewusster Ueberlegung erklären lässt. 
Wir haben nämlich die Möglichkeit gesehen, in jedem einzelnen 
Falle den Ausfall der Resultante anders zu bestimmen, als es 
beim blossen Ueberlassen an das Wirken der sich von selbst 
darbietenden Motive geschehen würde, und dadurch die Möglich¬ 
keit, in jedem einzelnen Falle erfolgreich gegen die Affecte an¬ 
zukämpfen, welche in Folge des einmal bestehenden Characters 
am leichtesten erregbar sind und daher am häufigsten auftauchen. 
Wenn nun diese Unterdrückung bei jeder Gelegenheit regelmässig 
eine längere Zeit hindurch eintritt, so wird sich nach dem Ge¬ 
setze der Gewohnheit durch die dauernde Unthätigkeit und 
Nichtbefriedigung des betreffenden Triebes seine Erregungsfähig¬ 
keit schwächen, dagegen werden die häufig und stark erregten 
Anlagen sich verstärken, d. h. der Character wird sich ändern. 
So haben wir auch die Möglichkeit einer Characterveränderung 
durch bewusste Ueberlegung, freilich nur mit Hülfe langer Ge¬ 
wohnheit, begriffen (vgl. Phil. Monatshefte Bd. IV Hft. 5 über 
Bahnsen’s Characterologie). 
Hiermit ist die oben gestellte Grundfrage in ihren beiden 
Theilen bejahend beantwortet und wir können nun einen kurzen 
Ueberblick nehmen über das, was bewusste Ueberlegung und 
Erkenntniss dem Menschen in practischer Beziehung zu bieten 
vermag. 
1. Verhinderung von Täuschungen der Erkennt¬ 
niss durch den Einfluss von Affecten. Schon früher 
haben wir gesehen, wie das Auftauchen der Vorstellungen wesent¬ 
lich vom augenblicklichen Interesse abhängig ist. Daher kommt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.