Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/326/
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Abschnitt B. Capitel IX. 
Wahrheit hervorgeht. Was er angedeutet, hat Jacobi ausgeführt. 
Er sagt (an verschiedenen Stellen): „Die Ueberzeugung durch 
Beweise ist eine Gewissheit aus der zweiten Hand, beruht auf 
Vergleichung und kann nie recht sicher und vollkommen sein. 
Wenn nun jedes Fürwahrhalten, welches nicht aus Vernunft¬ 
gründen entspringt, Glaube ist, so muss die Ueberzeugung aus 
Vernunftgründen selbst aus dem Glauben kommen und ihre Kraft 
allein von ihm empfangen. — Wer weiss, muss sich am Ende 
auf Sinnesempfindung oder auf Geistesgefühl berufen. — Wie es 
eine sinnliche Anschauung giebt durch den Sinn, so giebt es auch 
eine rationale durch die Vernunft. Beide sind in ihrem Gebiete 
das Letzte unbedingt Geltende. — Die Vernunft, als das Ver¬ 
mögen der Gefühle, ist das unkörperliche Organ für die Wahr¬ 
nehmungen des Uebersinnlichen. Die Vernunftanschauung, ob¬ 
gleich in überschwenglichen Gefühlen gegeben, ist doch wahr¬ 
haft objectiv. — Ohne das positive Vernunftgefühl eines Höheren, 
als die Sinnenwelt, wäre der Verstand nie aus dem Kreise des 
Bedingten getreten.“ Fichte und Schelling haben diese Ansich¬ 
ten aufgenommen, während Kant in seinem kategorischen Impe¬ 
rativ nur einen hinter formellem Verstandeswissen versteckten 
Gebrauch davon machte. Fichte sagt in den Einleitungsvorlesun¬ 
gen zur Wissenschaftslehre : „Diese Lehre setzt voraus ein- ganz 
neues inneres Sinnenwerkzeug, durch welches eine neue Welt 
gegeben wird, die für den gewöhnlichen Menschen gar nicht vor¬ 
handen ist. Sie ist nicht etwa Erdenken und Schaffen eines 
Neuen, nicht Gegebenen, sondern Zusammenstellung und Er¬ 
fassung in Einheit eines durch einen neu zu entwickelnden 
Sinn Gegebenen.“ Dieser „Vernunftglaube“ Jacobi’s erhält 
bei Schelling seinen treffendsten Namen: intellectuelle Anschauung, 
welche derselbe als das unentbehrliche Organ alles transcenden- 
talen Philosophirens hinstellt, als das Princip aller Demonstration, 
und als den unbeweisbaren, in sich selbst evidenten Grund aller 
Evidenz, mit einem Wort als den absoluten Erkenntnissact, — 
als eine Art der Erkenntniss, welche für den bewussten empiri¬ 
schen Standpunct stets unbegreiflich bleiben muss, weil sie nicht 
wie dieser ein Object hat, weil sie gar nicht im Bewusst¬ 
sein Vorkommen kann, sondern ausserhalb desselben fällt 
(vgl Schelling I. 1, S. 181—182). — So haben wir diese Art des 
in’s Bewusstseingelangens eines Inhaltes von dem rohen bildlichen 
Ausdrucke einer persönlichen göttlichen Mittheilung bis zu
        

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