Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/304/
300 
Abschnitt B. Capitel VIII. 
gende Molecüle von identischer Schwingungsform eine Empfin¬ 
dung hervorbringen, welche jeder durch ein Einzelnes dieser 
Molecüle erregten Empfindung qualitativ gleich ist, quanti¬ 
tativ aber den Stärkegrad der Summe aller einzelnen Em¬ 
pfindungen besitzt. Wenn man mit Einem Nasenloch riecht, so 
hat man dieselbe Empfindung, nur schwächer, als wenn man mit 
beiden riecht, und wenn nicht die Tastnerven der Nase den 
durchziehenden Luftstrom fühlten, würde der Riechnerv allein 
den Geruch des linken und rechten Nasenloches im normalen 
Zustande nicht als verschieden wahrnehmen. Dasselbe gilt für 
den Geschmack, wenn er einen kleineren oder grösseren Theil 
der Zunge und des Gaumens afficirt; nur die gleichzeitigen 
Tastgefühle der Berührung, des Zusammenziehens der Haut 
u. s. w. unterscheiden die Berührungsstelle, der Geschmack selbst 
wird nur stärker oder schwächer. Ob ein Ton das linke oder 
rechte Ohr trifft, wird nur durch die gleichzeitig im Ohre theils 
direct, theils reflectorisch erregten Spannungsgefühle erkannt ; es 
ist auch hier gar nicht der Hörnerv, sondern Tastnerven vor¬ 
zugsweise in dem reich durchsetzten Trommelfelle, welche das 
Localisationsgeftihl bedingen, wie deutlich daraus hervorgeht, 
dass man nach Ed. Weber1 s Versuchen dieses Localgefühl beim 
Untertauchen unter Wasser nur behält, so lange die Gehörgänge 
mit Luft gefüllt bleiben, aber verliert, wenn durch Anfüllung der 
Gehörgänge mit Wasser die Trommelfelle ausser Wirksamkeit 
gesetzt sind. Beim Sehen hat man von demselben Lichtpuncte 
zwar verschiedene Eindrücke, wenn sein Bild verschieden gele¬ 
gene Stellen eines oder beider Augen trifft, aber nicht zu unter¬ 
scheiden sind die Eindrücke, wenn sie auf correspondirende Stellen 
beider Augen fallen. Man weiss bei einem geschickt hergerich¬ 
teten Arrangement des Versuches schlechterdings nicht, ob man 
ein Licht mit dem rechten, oder mit dem linken, oder mit beiden 
Augen zugleich sieht, wenn man sich nicht durch anderweitige 
Hülfsmittel darüber orientiren kann. Die Gesichtseindrücke corre- 
spondirender Stellen beider Augen combiniren sich zu einem ein¬ 
fachen verstärkten Eindrücke. 
Nach Lotze’s Ansicht würden wir geradezu nicht zu unter¬ 
scheiden im Stande sein, ob ein Schmerz, Gefühl, Berührung 
u. s. w. unsere rechte oder linke Körperhälfte trifft, wenn nicht 
durch die bis in’s Kleinste gehenden Asymmetrien beider Körper¬ 
hälften mit der nämlichen Empfindung in der rechten Körperhälfte
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.