Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/296/
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Abschnitt B. Capitel VIII. 
(Näheres siehe hei Wiener, „Grundzüge der Weltordnung“, 
Buch 3, unter „Beweis für die Wirklichkeit der Aussenwelt“). 
s) Die Objecte der Sinneseindrücke wirken auf einander 
nach ganz bestimmten Gesetzen; wollte man nun die Sinnesein¬ 
drücke bloss aus dem Ich erklären, so müssten diese Gesetze 
auf die inneren Geistesvorgänge übertragbar sein. Dies sind sie 
aber nicht ; denn nur in den seltensten Fällen folgen die Sinnes¬ 
eindrücke von Ursache und Wirkung einander ebenso, wie Ur¬ 
sache und Wirkung draussen; häufig dagegen nimmt man zu 
einer Zeit die Wirkung wahr, und einer ganz anderen späteren 
Zeit die Ursache; es kann aber nicht ein späterer Sinnesein¬ 
druck die Ursache eines früheren sein. 
Ç) Jedes Ich erhält nächst der Vorstellung seines eigenen 
Leibes auch Vorstellungen von einer grossen Menge fremder, 
dem seinigen ähnlicher Leiber, welchen den seinigen ähnliche 
Geistesfähigkeiten einwohnen; es findet, dass alle diese Wesen 
über Ich und Nichtich dieselben Vorstellungen kundgeben, und 
dass ihre Aussagen über die Beschaffenheit der Aussenwelt in 
auffallender Weise theils mit einander übereinstimmen, theils 
sich gegenseitig berichtigen und von ihren Irrthtimern überführen. 
Jedes Ich sieht diese wie sich selbst geboren werden, erwachsen, 
sterben, es erhält von denselben Schutz, Hülfe und Unterweisung 
zur Zeit der Kindheit, wo die eigene Kraft und Kenntniss nicht 
ausreicht, und erhält zu jeder Zeit seines Lebens von anderen 
direct oder indirect (durch Bücher) Belehrungen, in welchen Ge¬ 
danken Vorkommen, die es selbst zu fassen sich als unfähig be¬ 
kennen muss. Es lernt aus Ueberlieferungen die Reihe seiner 
Mitmenschen rückwärts verfolgen, und in der Geschichte einen 
Plan erkennen, in dem es sich als ein Glied betrachten muss. 
Dies Alles ist fast unmöglich aus der alleinigen Existenz des 
Ich, leicht aber bei Existenz Einer für alle Ich’s gemein¬ 
samen Aussenwelt zu erklären, welche die auf einander wirken¬ 
den Leiber dieser Ich’s in sich schliesst. Da andere Ich’s nur 
durch ihre Leiber auf mich wirken können, so ist jeder Schluss 
auf die transcendente Realität anderer Ich’s falsch, wenn er 
nicht durch den Schluss auf die transcendente Realität meines 
und anderer Leiber vermittelt, und auf diesen gegründet ist. 
rj) Die inneren Vorstellungen können durch den bewussten 
Willen beliebig hervorgerufen, festgehalten und wiederholt wer¬ 
den, die Sinneseindrücke sind bei geöffnetem Sinnesorgane vom
        

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