Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/235/
Das Unbewusste im Gefühl. 
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Unlust in den Seelenzuständen ist, gar niemals auszuscheiden 
geübt hat, sondern alle Seelenzustände, in denen nur überhaupt 
Lust und Unlust vorkommt, aber mit Einschluss aller begleiten¬ 
den Wahrnehmungen und Vorstellungen (ja sogar Begehrungen) 
unter dem Ausdruck Gefühl zusammenfasst. — Man sieht nun 
ein, dass auch unter den bloss begleitenden Wahrnehmungen 
unbewusste für das Hirn sein können, wie dies soeben für die 
gefühl er zeugenden gezeigt worden ist; noch wichtiger aber 
werden diese begleitenden Vorstellungen, wenn wir von dem 
Gebiet der sinnlichen Wahrnehmung in das der geistigen Vor¬ 
stellung übergehen. 
So haben wir nun die verschiedenen Arten, wie Gefühle ! 
durch unbestimmte Vorstellungen bestimmt werden können, im 
Allgemeinen entwickelt, und vielleicht ist bei dieser Gelegenheit 
auch schon die Wichtigkeit der unbewussten Vorstellungen für 
das ganze Gefühlsleben sichtbar geworden. Diese Wichtigkeit 
ist gar nicht hoch genug zu veranschlagen. Man nehme sich 
zur Probe nur ein Gefühl vor, welches man wolle, und suche es 
in seinem ganzen Umfang mit völlig klarem Bewusstsein zu er¬ 
fassen, es ist ewig vergebens; denn wenn man sich nicht mit 
dem oberflächlichsten Verständniss begnügt, so wird man stets 
auf einen unauflöslichen Best stossen, der jeder Bemühung 
spottet, ihn mit dem Brennspiegel des Bewusstseins zu beleuch¬ 
ten. Wenn man sich nun aber fragt, was man denn mit dem 
klar gewordenen Theil gethan habe, während man ihn mit 
vollem Bewusstsein erfasste, so wird man sich sagen müssen, 
dass man ihn in Gedanken, d. h. bewusste Vorstellungen 
übersetzt habe, und nur soweit das Gefühl sich in Gedanken 
übersetzen lässt, nur so weit ist es klar bewusst geworden. 
Dass sich aber das Gefühl, und wenn auch nur theilweise, hat 
in bewusste Vorstellungen umgiessen lassen, das beweist doch 
wohl, dass es diese Vorstellungen schon unbewusst enthielt, 
denn sonst würden ja die Gedanken in der That nicht dasselbe 
sein können, was das Gefühl war. — Nur soweit die Gefühle 
in Gedanken übersetzt werden können, nur so weit sind sie 
mittheilbar, wenn man von der immerhin höchst dürftigen 
instinctiven Geberdensprache absieht; denn nur soweit die Ge¬ 
fühle in Gedanken zu übersetzen sind, sind sie mit Worten 
wiederzugeben. Man weiss aber, was es mit der Mittheilung der 
Gefühle für Schwierigkeit hat, wie oft sie verkannt und miss-
        

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