Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/19/
Vorgänger in Bezug auf den Begriff des Unbewussten. 
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wusstsein, dass man denkt.“ Man sieht, dass Locke diese Sätze 
in aller Einfalt postulirt; es ist deshalb ganz unrichtig, 
wenn man von gewissen Seiten heute noch die Behauptung hört, 
Locke habe die Möglichkeit unbewusster Vorstellungen be¬ 
wiesen. Er beweist nur aus dieser postulirten Voraussetzung, 
dass die Seele keine Vorstellung haben könne, ohne dass der 
Mensch sich dessen bewusst sei, weil sonst das Bewusstsein der 
Seele und das des Menschen zwei verschiedene Personen aus¬ 
machen würden, und dass folglich die Cartesianer in ihrer Be¬ 
hauptung Unrecht haben, dass die Seele als denkendes Wesen 
unaufhörlich denken müsse. — Locke ist mithin der erste und 
einzige, der diese stillschweigende Voraussetzung des natürlichen 
Verstandes zum wissenschaftlichen und ausführlichen Ausdruck 
bringt; mit diesem Schritte war aber auch naturgemäss die Er- 
kenntniss ihrer Einseitigkeit und Unwahrheit und die Entdeckung 
der unbewussten Vorstellungen durch Locke’s grossen Gegner 
Leibnitz gegeben, während alle früheren Philosophen wohl im 
Stillen mehr auf die eine oder die andere Seite neigten, aber sich 
das Problem überhaupt nicht zum Bewusstsein brachten. 
Leibniz wurde zu seiner Entdeckung durch das Bestreben 
geführt, die angebornen Ideen und die unaufhörliche Thätigkeit 
der Vorstellungskraft zu retten. Denn wenn Locke bewiesen 
hatte, dass die Seele nicht bewusst denken kann, wenn der 
Mensch sich dessen nicht bewusst ist, und sie doch immerfort 
denken sollte, so blieb nichts übrig als ein unbewusstes 
Denken. Er unterscheidet daher perception, Vorstellung, und 
apperception, bewusste Vorstellung oder schlechthin Bewusstsein \ 
(Monadologie §. 14) und sagt (gesperrt gedruckt): „Daraus, dass 
die Seele des Gedankens sich nicht bewusst sei, folge noch gar \ 
nicht, dass sie zu denken aufhöre“ (Neue Versuche üb. d. \ 
menschl. Verst. Buch II. Cap. 1. §. 10.) Was Leibniz zur posi¬ 
tiven Begründung seines neuen Begriffs beibringt, ist freilich 
mehr als dürftig, aber ein ungeheures Verdienst ist es, dass er 
sogleich mit genialem Blicke die Tragweite seiner Entdeckung 
übersah, dass er (§. 15) die innere dunkle Werkstätte der Ge¬ 
fühle, der Leidenschaften und der Handlungen, dass er die Ge- 
wohnheit und vieles andere als Wirkungen dieses Princips erkennt, 
wenn er dies auch nur mit wenigen Worten andeutet, — dass 
er die unbewussten Vorstellungen für das Band erklärt, „welches 
jedes Wesen mit dem ganzen übrigen Universum verbindet“, —
        

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