Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/184/
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Abschnitt A. Capitel VIII. 
die Wirkung Zweck ist? Dass aber endlich die Seele in der 
ersten Zeit des Embryolebens ohne Nerven arbeiten muss, kann 
gewiss nicht gegen unsere Ansicht sprechen, da wir ja nicht 
nur in den nervenlosen Thieren alle Seelenwirkungen ohne 
Nerven erfolgen sehen, sondern auch am Menschen weiter oben 
genug Beispiele der Art angeführt haben, ausserdem aber das 
Embryo in der ersten Zeit gerade diejenige halbflüssige Structur 
hochorganisirter Materie hat, welche Nervenwirkungen zu er¬ 
setzen geeignet ist. 
Wenn wir nun erstens materialistische Erklärungsversuche 
als ungenügend erkennen, zweitens eine prädestinirte Zweck¬ 
mässigkeit der Entwickelung in Anbetracht dessen unmöglich 
erscheint, dass jede Gruppirung von Verhältnissen im ganzen 
Leben nur Einmal vorkommt, und doch jede Gruppirung von 
Verhältnissen eine andere Reaction fordert, und gerade diese 
geforderte hervorruft, wenn drittens die einzig übrig bleibende 
Erklärungsweise, dass die unbewusste Seelenthätigkeit selbst 
sich ihren Körper zweckmässig bildet und erhält, nicht nur 
nichts gegen sich, sondern alle nur mögliche Analogien aus den 
verschiedensten Gebieten der Physiologie und des Thierlebens 
für sich hat, so scheint wohl die Beglaubigung der individuellen 
Vorsehung und Bildungskraft hiermit so wissenschaftlich sicher, 
als es bei Schlüssen von der Wirkung auf die Ursache nur 
möglich ist. (Vgl. hierzu : Ges. philos. Abhandlungen Nr. VI. 
„Ueber die Lebenskraft“). 
So schliesse ich denn diesen Abschnitt mit dem schönen 
Worte Schopenhauers: „So steht auch empirisch jedes Wesen 
als sein eigenes Werk vor uns. Aber man versteht die Sprache 
der Natur nicht, weil sie zu einfach ist.“
        

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