Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/175/
Das Unbewusste im organischen Bilden. 171 
Röhre zusammen; einige kleine Käfer bilden sich aus Staub, 
Sand und Erde einen Ueberzug ihrer zarten Haut; die Motten¬ 
larven machen sich Röhren aus Haaren oder Wolle, die sie mit 
sich herumtrugen; die Larve der meisten Phryganeen webt mit 
den aus ihrem Spinnorgane hervorgegangenen Fäden Holz, 
Blätter, Muschelschalen u. s. w. zu einer Röhre zusammen, in der 
sie wohnt und die sie mit sich trägt. Die sich einspinnende 
Raupenlarve braucht keine fremden Stoffe mehr, die sie in ihr 
Gespinnst einwebt, sondern begnügt sich mit diesem allein, um 
die zur Verpuppung nöthige Abschliessung und Ruhe zu erhalten; 
hier ist also die Wohnung der Thiere ebenso wie das Netz der 
Spinnen und der Hautüberzug, den einige Käferlarven aus 
ihrem eigenen Kotli bilden, schon ganz vom Organismus selbst 
gebildet. 
Nautilus und Spirula treten periodisch aus ihrem halb¬ 
kugeligen Gehäuse heraus und bilden sich ein ihrem inzwischen 
eingetretenen Wachsthum entsprechendes grösseres, das aber mit 
dem alten verbunden ist, so dass mit der Zeit das Gehäuse des 
Thieres aus einer Reihe solcher immer grösser werdenden Kam¬ 
mern besteht. Auf ähnliche Weise wachsen mit den Schnecken 
ihre Gehäuse, während die Crustaceen jährlich ihre Schale durch 
willkürliche Bewegung sprengen und ausziehen, ähnlich wie die 
Arachniden, Schlangen und Eidechsen ihre Haut, die Vögel und 
Säugethiere ihre Federn und Haare, während die Haut der 
höheren Thiere sich fortwährend schuppt. Was wir bis jetzt am 
Bau im Ganzen gesehen haben, kann man auch an einzelnen 
Theilen, z. B. dem Deckel, beobachten. Eine Spinne (.Mygale 
cementaria) lebt in einer Höhle im Mergel, die sie mit einer 
Thür aus zusammen gewobenen Erdklümpchen an einer Angel 
aus Spinnweben befestigt. Die Weinbergsschnecke schliesst im 
Winter ihre Wohnung mit einem Deckel, den sie sammt seiner 
Angel durch Ausschwitzungen des eigenen Körpers verfertigt, der 
aber doch mit ihrem Körper in keiner Verbindung steht. Bei 
anderen Schnecken dagegen ist der Deckel durch muskulöse 
Bänder mit dem Thiere permanent verbunden. So sind wir in 
stetiger Folge vom Bauinstinct zum organischen Bilden gelangt, 
und was so in einander fliesst, sollte aus verschiedenen Grund- 
principien hervorgehen? Wie die Eichhörnchen und andere Thiere 
der Instinct reichlicher sammeln und eintragen lehrt, wenn ein 
kalter Winter bevorsteht, so bekommen Hunde, Pferde und Wild
        

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