Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/162/
158 Abschnitt A. Capitel VJ I. 
bach’s odisch-magnetische Briefe, und sein grösseres Werk: der 
sensitive Mensch.) 
d. Oie vegetativen Functionen. 
Allen vegetativen Functionen des Organismus stehen wahr¬ 
scheinlich sympathische Nervenfasern vor. Der bewusste Wille 
hat auf sie keinen directen Einfluss, wir haben aber gesehen, 
dass dies auch bei den motorischen und sensiblen Fasern nicht 
der Fall ist, sondern dass das direct Wirkende allemal ein 
unbewusster Wille ist. Wenn nun der bewusste Wille überhaupt 
einen Einfluss auf vegetative Functionen hat, so ist die Ueber- 
einstimmung da, und der Unterschied kann nur in dem Grade 
der Leichtigkeit liegen, mit welcher durch das bewusste Wollen 
irgend einer Wirkung der unbewusste Wille zum Setzen der 
Mittel zu dieser Wirkung hervorgerufen wird. Also z. B. : Wenn 
ich eine stärkere Mundspeichelabsonderung will, so ruft das be¬ 
wusste Wollen dieser Wirkung den unbewussten Willen zum 
Setzen der nöthigeii Mittel hervor, nämlich er erzeugt von den 
gangliösen Endigungen der zu den Mundspeicheldrüsen führen¬ 
den sympatisclien Fasern aus solche Ströme in denselben, 
welche die beabsichtigte Wirkung hervorbringen. Dies Experi¬ 
ment wird so ziemlich Jedem gelingen. Aehnlich ist das Ver¬ 
halten in den Absonderungen der Genitalsphäre dem bewussten 
Willen unterworfen, was in Verbindung mit der oben erwähnten 
willkürlichen Erregung der betreffenden sensiblen Nerven bei 
reizbaren Personen bis zur Ejaculation ohne mechanischen Beiz 
führen kann. Mütter sollen, wenn der Anblick des Kindes in 
ihnen den Willen zum Säugen erweckt, durch diesen Willen 
eine reichlichere Milchabsonderung bewirken können. Die Fähig¬ 
keit mancher Personen, willkürlich zu erröthen und zu erblas¬ 
sen, ist bekannt, namentlich bei coquetten Frauenzimmern, die 
darauf studiren, und ebenso giebt es Leute, welche willkürlich 
Schweiss hervorrufen können. Ich besitze die Macht, durch 
meinen blossen Willen den stärksten Schlucken momentan zum 
Schweigen zu bringen, während er mich früher viel ineommo- 
dirte und häufig allen üblichen Mitteln nicht weichen wollte. 
Dass man einen Schmerz, z. B. Zahnschmerz, mitunter 
durch energischen Willen, ihn zu bekämpfen, lindern oder zum 
Aufhören bringen kann, ist bekannt, trotzdem dass durch die 
dabei nöthige Aufmerksamkeit der Schmerz zunächst gesteigert
        

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