Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/156/
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Abschnitt A. Capitel VJI. 
wie die Menge des Pulvers zur Kraft des Geschosses. Ohne 
jede mechanische Kraft aber sind die aufgespeicherten Kräfte 
nicht aus ihrem gebundenen Zustande zu befreien, also muss 
unbedingt der Wille zu mechanischer Kraftleistung befähigt sein. 
Wäre aber die Grösse dieser Kraft gleichgültig, so könnte er ja 
direct die Muskeln in Bewegung setzen, wir müssen also an¬ 
nehmen, dass die Pointe beim motorischen System darin liege, 
die nothwendige mechanische Leistung des Willens auf ein 
Minimum zu reduciren, etwa so, wie das Stellen der Hebel 
durch den Maschinisten ein Minimum von Kraftwirkung im Ver- 
hältniss zu den Leistungen der Dampfmaschine repräsentirt. 
Betrachten wir nun den wohl am nächsten mit den Nerven¬ 
strömen verwalten electrischen Strom, so müssen wir zunächst 
die Entstehungsweise durch mechanische Einflüsse (wie Reibung) 
oder Wärme ausschliessen, weil erstere gerade das Gegentheil 
von dem wäre, was wir suchen, und letztere ebenfalls in 
Schwingungszuständen von grösseren mechanischen Schwingungs¬ 
momenten der Atome besteht. Wir müssen jedenfalls absehen 
von Erzeugungsweisen, welche auf Verschiebung der Molecüle 
beruhen, und uns an solche halten, welche nur eine Drehung 
derselben erheischen, da ihre Drehung unendlich viel weniger 
Kraftaufwand erfordert, als die Verschiebung. Hier kommen 
uns die Erfahrungen der Nervenphysiologie zu Hülfe, welche 
zeigen, dass, während der motorische Strom den Nerven durch¬ 
läuft, alle Molecüle desselben eine gleich gerichtete electrische 
Polarität zeigen, wie in Magneten, während im völlig indifferenten 
Zustand (wie er freilich im Leben nicht vorkommt) die Polaritäten 
der Molecüle durch einander liegen, wie im unmagnetischen 
Eisen, und dadurch sich gegenseitig neutralisiren. Wir lernen aus 
diesen Versuchen, dass die Nervenmolecüle Polarität besitzen, und 
dass diese durch Drehung der Molecüle in gleiche Richtung zur 
Geltung gebracht werden kann. Wie der von einem Draht um¬ 
gebene Eisenstab magnetisch wird, sobald den Draht ein gal¬ 
galvanischer Strom durchläuft, so würde, wenn auf irgend welche 
Weise das Eisen plötzlich magnetisch würde, in dem Draht ein 
galvanischer Strom hervorgerufen. Dem analog wird durch 
Drehung der Molecüle in der Weise, dass ihre Polaritäten gleich 
gerichtet werden, eine Nervenströmung erzeugt. Wir sehen in 
der Physik, dass die polaren Gegensätze der Molecüle die Grund¬ 
lagen aller der Erscheinungen sind, welche wir als chemische,
        

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