Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/153/
Das Unbewusste in der Naturheilkraft. 
149 
der vorkommenden Störungen erwägt, und bedenkt, dass die 
Function eines jeden einzelnen Organs, wie des ganzen Körpers, 
sich in einem unaufhörlichen Abwehren und Ausgleichen heran¬ 
tretender Störungen bewegt, uud dass nur dadurch das Dasein 
erhalten wird. Giebt man also einmal die Zweckmässigkeit dieser 
Ausgleichungen zum Zwecke der Selbsterhaltung zu, so kann 
man sich der Idee einer individuellen Vorsehung unmöglich ent¬ 
ziehen, denn nur das Individuum selbst kann es sein, welches 
die Zwecke vorstellt, nach denen es handelt. Es kann nicht 
fehlen, dass die in diesem und dem vorigen Capitel so éclatant 
hervorgetretene Wahrheit auch auf die Zurückweisung desselben 
Einwandes beim Instinct eine rückwirkende Beweiskraft äussert, 
da wir dies Alles als ein seinem Wesen nach Gleiches erkannt 
haben. Es wäre ganz thöricht, ein besonderes Vermögen des 
Instinctes, ein besonderes der Reflexbewegungen, ein besonderes 
der Heilkraft anzunehmen, da wir in allen diesen Erscheinungen 
nichts weiter als ein Setzen von’ Mitteln zu einem unbewusst 
vorgestellten und gewollten Zwecke erkannt haben, und nur die 
verschiedenen Arten von zur Thätigkeit auffordernden äusseren 
Umständen verschiedene Gattungen von Reactionen hervorrufen, 
wobei aber die Unterschiede nicht einmal von der Art sind, dass 
sie nicht in einander überflössen. Dass die organischen Heil¬ 
wirkungen nicht Resultate des bewussten Vorstellens und Wol- 
lens sind, wird wohl Niemand bezweifeln, der sich erinnert, wel¬ 
chen Antheil sein Bewusstsein beim Heilen einer Wunde oder 
eines Bruches genommen habe; ja sogar, es gehen ja gerade 
dann die mächtigsten Heilwirkungen vor sich, wenn das Be¬ 
wusstsein möglichst zurückgedrängt ist, wie im tiefen Schlafe. 
Dazu kommt noch, dass die organischen Functionen, in soweit 
sie überhaupt von Nerven abhängig sind, durch sympathische 
Nervenfasern geleitet werden, welche dem bewussten Willen 
nicht direct unterworfen sind, sondern von den Ganglienknoten 
aus innervirt werden, von denen sie entspringen. Wenn dennoch 
in den organischen Functionen in den Heilwirkungen eine so 
wunderbare, Einem Ziele zustrebende Uebereinstimmung herrscht, 
so kann diese nun und nimmermehr aus materieller Communi¬ 
cation dieser verschiedenen Ganglien begriffen werden, sondern 
nur durch die Einheit des über jenen waltenden Principes, des 
Unbewussten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.