Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/15/
Methode der Untersuchung und Art der Darstellung. 
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geliefert, aber sie sind, noch himmelweit entfernt von letzten 
Principien nnd einem einheitlichen System der Wissenschaft. 
So gähnt für beide Seiten eine Kluft ; die Induction kommt 
nicht zu letzten Principien und zum System, die Speculation j 
nicht zur Erklärung der Wirklichkeit und zur Mittheilbarkeit. 
Man kann hieraus schliessen, dass das Ganze sich nicht von 
Einer Seite her begreifen lässt, sondern dass man die Sache zu¬ 
gleich von beiden Seiten anfassen muss, und sich von hüben 
und drüben nach den vorspringendsten Puncten umthun muss, wo 
sich eine Brücke schlagen lässt. Denn so ganz hoffnungslos ist 
die Sache eben nicht. Wie in einem Gefäss mit geschmolzenem 
Schwefel krystallisiren die Gedanken sowohl vom Grunde als von 
oben aus, und wenn nur erst die ersten am weitesten hervor¬ 
ragenden Nadeln sich erfasst haben, dann wächst auch bald die 
ganze Masse zusammen. Wir sind an diesem Puncte in der 
Geschichte der Wissenschaft angelangt, wo sich schon die ersten 
Vorläufer begegnen, wie zwei Bergleute, die sich aus sich unter¬ 
irdisch begegnenden Stollen durch die sie noch trennende Wand 
hindurch klopfen hören. Denn die inductive Wissenschaft hat 
in allen Zweigen der unorganischen und organischen Natur und 
auch in der des Geistes in neuester Zeit so gewaltige Fortschritte 
gemacht, dass derartige Versuche einen ganz andern Boden unter 
sich finden, als z. B. die eines Aristoteles, Paracelsus, Baco und 
Leibniz. Andererseits hat aber auch die alle früheren Perioden 
weit überflügelnde Glanzperiode der Philosophie Ende des vorigen 
und Anfang dieses Jahrhunderts dem speculativen Geist so viel¬ 
seitige Bereicherung zugeführt, dass beide Tbeile sich wiederum 
ebenbürtig gegenüberstehen. Aber freilich ist mit diesen Fort¬ 
schritten die Weit sich auch klarer geworden über den polaren 
Gegensatz beider Gebiete, der früher sich mehr dem Bewusstsein 
entzog, und daher kommt es, dass jeder Forscher sich für eine 
der beiden Richtungen viel bestimmter zu entscheiden pflegt, als 
dies früher der Fall war. Darum fehlt es der Gegenwart haupt¬ 
sächlich an einer Persönlichkeit, welche beide Seiten mit gleicher 
Liebe und Hingebung erfasst, welche fähig ist, wenn auch nicht 
zur mystischen Production, doch zur Reproduction, und doch 
zugleich eine genaue Uebersicht des exacten Wissens und die 
Strenge der inductiven exacten Methode sich zu eigen gemacht 
hat, welche endlich die vorliegende Aufgabe klar erkennt, die 
speculativen (mystisch erworbenen) Principien mit den bisher
        

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