Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/149/
Das Unbewusste in der Naturheilkraft. 
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(Tuberkeln, Skropheln, Gicht, Fettsucht u. s. w.); 5) ungeeignete 
Qualität der Einnahmen; sie bewirkt Störungen in den Ver¬ 
dauungsorganen und durch abnorme Blutmischung auch in der 
Ernährung; schlechte Luft kann auf diese Weise durch Verän¬ 
derung der Blutmischung Faulfieber u. s. w. hervorrufen; 6) un¬ 
angemessene Lebensweise; z. B. absolute Unthätigkeit eines 
Muskels bewirkt Schwäche und Abmagerung desselben, da seine 
Ernährungsverhältnisse auf die Voraussetzung der Bewegung 
basirt sind; sitzende Beschäftigung bei Menschen stört die Ver¬ 
dauung aus demselben Grunde, und Versetzung in ein fremdes 
Klima fordert Accommodation des Körpers durch die Heilkraft 
oder ruft Krankheiten hervor; 7) ererbte Körperfehler oder 
Krankheitsanlagen; hier liegen die ersten äusseren Ursachen der 
Krankheit in derjenigen Generation, von welcher die Vererbung 
ausgegangen ist, und alle nachfolgenden, die Krankheit erer¬ 
benden Glieder der Familie empfangen durch die Stoffe der 
Zeugung die Abnormitäten schon als Mitgift auf die Lebensreise, 
wTelche ihre Naturheilkraft oft so wrenig zu bewältigen im Stande 
ist, wie eine direct durch äussere Störungen erweckte chronische 
Krankheit. 
Ich glaube, dass auf diese oder ähnliche Störungen sich alle 
Krankheiten zurückführen lassen, wenn man nur immer dabei 
berücksichtigt, dass man auf die erste Ursache der Erscheinung 
zurückzugehen hat und nicht die symptomatisch vorliegende 
Krankheit an sich betrachtet. Ja sogar die letztere ist häufig 
schon ein Act der Heilkraft, die Krisis einer Reihe vorhergehen¬ 
der Krankheiten oder Abnormitäten, welche sich nur mehr oder 
weniger dem Bewusstsein entzogen (so z. B. bei allen Ausschlags¬ 
krankheiten, Gicht, Fiebern, Entzündungen u. s. w.). Die Heil¬ 
kraft kommt mit ihrer Krisis sogar manchmal dem Ausbruch 
derjenigen Krankheit zuvor, welche aus einer Abnormität der 
Bildung folgen müsste (z. B. die Tödtung und Abführung der 
nicht zu gebärenden Frucht), und insofern ist es richtig, dass 
durch spontane psychische Acte des Organismus Erscheinungen 
hervorgerufen werden, welche wir Krankheit nennen müssen, 
aber sie beugen dann nur einer gefährlicheren Krankheit vor, sie 
sind die Wahl eines absichtlich hervorgerufenen kleineren Uebels 
zur Vermeidung eines grösseren. Es kann auch sein, dass bei 
dieser spontan hervorgerufenen Krisis der Tod erfolgt, weil dem 
unbewussten Willen die nöthige Macht zur Ueberwindung der 
v. Hartmann. Phil. d. Unbewussten. 3. Aufl. 10
        

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