Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/147/
Das Unbewusste in der Naturheilkraft. 
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Wiedereintreten anderer, sowie die Lehre von den vicarirenden 
Secretionen die Frage nach der Inconstanz der Beschaffenheit 
der secernirenden Häute offen hält, dass also die Erscheinung 
nach ihrer nächsten wirkenden Ursache richtig erklärt, diese 
wirkende Ursache aber ihrerseits nur eine einzige endgültige Er¬ 
klärung, nämlich in idealer Bichtung, zulässt. Mit solcher vor¬ 
läufigen Erklärung hat der Naturforscher seine nächste Schuldig 
keit gethan, und Niemand wird ihm dies bestreiten, wenn er nur 
zugiebt, dass die Frage noch ebenso offen wie vorher ist, wenn 
er nur nicht behauptet, mit dieser Erklärung Alles gethan zu 
haben, denn dann tritt er sofort in Collision mit den Thatsachen. 
Ein anderer Einwand ist der, dass der Organismus nicht 
immer zweckmässig verfahre, sondern dass dieselben Erschei¬ 
nungen, welche das eine Mal Genesung herbeiführen, das andere 
Mal die Erkrankung erst bewirken, oder eine vorhandene Krank¬ 
heit zu noch schlimmerem Ende führen, als sie von selbst ge¬ 
nommen haben würde. Dies halte ich für entschieden falsch. 
Ich behaupte im Gegentheil: erstens, dass Krankheiten niemals 
aus dem psychischen Grunde des Organismus spontan 
hervortreten, sondern demselben von Aussen durch 
Störungen aufgedrungen und gezwungen werden, und 
zweitens, dass Alles, was der Organismus direct in Bezug auf 
diese Störungen an der Normalität seiner Functionen ändert, 
zweckmässig zur Beseitigung derselben ist. Diese beiden Be¬ 
hauptungen sollen nach einander begründet werden. 
Es fragt sich zunächst, was denn Krankheit sei. Krankheit 
ist nicht Abnormität der Bildung, denn es giebt abnorme Abbil¬ 
dungen, wie Biesen, Zwerge, überzählige Finger, unregelmässiger 
Verlauf von Adern, die Niemand zu den Krankheiten zählt. 
Krankheit ist nicht ein Zustand, der das Bestehen des Organis¬ 
mus gefährdet, denn viele Krankheiten thuen dies nicht; sie ist 
nicht ein Zustand, der dem Bewusstsein des Individuums Schmerz 
und Beschwerden verursacht, denn auch dies ist bei vielen Krank¬ 
heiten gar nicht der Fall. Krankheit ist eine Abnormität in 
den organischen Functionen, welche allerdings Abnormi¬ 
täten der Bildung sowohl zur Ursache, als zur Folge haben kann. 
Im ersteren Falle pflegt man auch die Abnormität der Bildung 
schon mit als Krankheit zu bezeichnen. Streng genommen muss 
aber dieser abnormen Bildung schon eine andere Abnormität der 
Functionen als Ursache vorhergegangen sein, denn so lange alle 
Functionen normal vor sich gehen, ist das Zustandekommen ab-
        

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