Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie des Unbewussten. Spekulative Resultate nach inductiv-naturwissenschaftlicher Methode. Dritte beträchtlich vermehrte Auflage
Person:
Hartmann, Eduard von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39782/129/
Das Unbewusste in den Reflexwirkungen. 
125 
Ueberlegung des Gehirns soweit überragen. Dies ist aber 
gerade der Character der unbewussten Vorstellung, wie wir ihn 
am Instinct kennen gelernt haben, und ferner überall anderweitig 
kennen lernen werden. Mithin gilt alles, was wir beim Instinct 
gegen die Entstehung durch bewrusste Ueberlegung angeführt 
haben, hier in noch viel höherem Maasse, theils weil die Augen- 
blicklichkeit der Wirkung hier noch mehr in die Augen fällt, und 
noch mehr mit der Langsamkeit des bewussten Denkens in tief¬ 
stehenden Wesen contrastirt, theils weil wir es hier in den Thieren 
vorzugsweise mit den niederen Centris zu thun haben, während 
wir doch erfahrungsmässig nur da einigermaassen nennenswerthe 
Resultate der bewussten Ueberlegung finden, wo die Hirnfunction 
der höheren Vögel und Säugethiere eintritt, wenn wir dagegen 
die Thiere betrachten, deren Haupteentra ungefähr auf der Stufe 
der niederen menschlichen Nervencentra stehen, so tritt uns auch die 
grösste Stupidität und Bornirtheit entgegen (z. B. schon bei den 
meisten Amphibien und Fischen), gegen welche die bewunderungs¬ 
würdige Sicherheit und Zweckmässigkeit auf das Schärfste ab¬ 
sticht, mit der die nun im Verhältnis zu dem geistigen Gesammt- 
leben des Thieres an Bedeutung und Ausdehnung immer zuneh¬ 
menden Instincthandlungen vollzogen werden. Hier ist nichts 
mehr von jenem zweifelnden Ab wägen des discursiven Denkens, 
nichts von jenem vorsichtigen Zögern der Klugheit, die wir an 
höheren Thieren beobachten, sondern auf das Motiv erfolgt mo¬ 
mentan die Instincthandlung, zu der die Ueberlegung sogar dem 
menschlichen Hirn oft eine geraume Zeit kosten würde, und wenn 
die Handlung unzweckmässig war, wie dies bei sinnlicher Täu¬ 
schung in der bewussten Wahrnehmung der Motive wohl vor¬ 
kommt, so wird der verderbliche Irrthum mit derselben Sicherheit 
erfasst. Wir müssen diesen Character der unbewussten Vorstel¬ 
lung im Gegensatz zum discursiven Denken als eine unmittelbare 
intellectuale Anschauung bezeichnen, und werden, wo wir auch 
die (nicht relativ zu diesem oder jenem Centrum, sondern absolut) 
unbewusste Vorstellung noch antreffen, dieses Merkmal zutreffen 
sehen. 
Durch den Vergleich mit dem Instinct sehen wir uns also 
entschieden davor gewarnt, die immanente Zweckmässigkeit der 
Reflexbewegungen als durch bewusstes Denken jener Nervencentra 
erzeugt zu betrachten. Hiermit stimmt völlig die psychische 
Selbstbeobachtung derjenigen Reflexbewegungen überein, deren
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.