Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Clavierstimmens sowie Erfahrungen und Ansichten bezüglich Clavierhandel und Clavierbau
Person:
Kuhn-Kelly, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39778/8/
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Völlig befriedigend fertig wird er allerdings gar nie und 
wenn er eine Woche am nämlichen Clavier sitzen bliebe. 
Einmal muss er aufhören. Jedoch mag für Manchen der 
Zeitpunkt des Aufhörens eine mehr oder minder gefähr¬ 
liche Klippe sein. 
Die neueren Pianos mit ganzen Eisenrahmen sind wider¬ 
standsfähiger, als die altern mit Holzeonstruction, und 
halten die Stimmung im Allgemeinen besser. 
Um sich einen ungefähren Begriff von der grossen Span¬ 
nung zu machen, die ein Pianino (mittlerer Grösse) durch 
den Zug der Saiten ausziilialten hat, diene, dass, wenn man 
die höchste und dünnste Saite mittelst Gewicht auf die 
richtige Höhe bringen will, circa 125 Pfund erforderlich 
sind (dem Experiment haben wir selbst beigewohnt), folg¬ 
lich ziehen alle drei Saiten desselben Tones mit circa 375 
Pfund. Sämmtliche nicht besponnenen Saiten eines gerad- 
saitigen Pianino’s ziehen mit ca. 300 Zentnern und die 
ganze Zugkraft aller Saiten möchte mit ca. 400 Ztr. nicht 
zu hoch gegriffen sein. Grosse, kreuzsaitige Instrumente 
haben, ihrem Format entsprechend, auch noch grössere Sai¬ 
tenspannung. Wenn wir nun noch eine Menge anderer 
Hindernisse, wie schleehthaltende Stimmnägel, rostige Saiten, 
zu stark andrttckender Klangstab, Unruhe im Zimmer, In¬ 
disposition ete. etc., mit denen der Stimmer zu kämpfen hat, 
berühi'en wollten, so müssten wir die Geduld des Lesers zu 
sehr in Anspruch nehmen und wir glauben genügend dar- 
gethan zu haben, dass der Stimmberuf mehr Ausdauer, 
Geduld und Selbstbeherrschung erfordert, als gewöhn¬ 
lich angenommen wird. Es soll auch schon mancher Stim¬ 
mer in Folge Nervenüberreizung sein Dasein im Irrenkause 
beendet haben. 
Wenn wir auch weit davon entfernt sind, hiermit für 
die Stimmer nur apologisiren zu wollen, wohl wissend, dass 
auch Minderkundige sich anmaassen, Claviere zu stimmen, 
so darf doch konstatirt werden, dass die Leistungen eines 
gewissenhaften Stimmers bislang im Allgemeinen ent¬ 
schieden weder gehörig gewürdigt noch — entsprechend 
bezahlt wurden, und wenn durch diese Darstellung diejeni¬ 
gen Clavierbesitzer, welche sich unter „Clavierstimmen“ 
eben weiter nichts dachten, als „Clavier st im men“, ohne
        

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